Nachgefragt: « Wie lautet die Bilanz nach mehr als anderthalb Jahren Demenzstrategie? »

 

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Sehr geehrter Herr Minister,
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, 

Der 21. September ist Welt-Alzheimertag. Weltweit wird an diesem Tag ein gesellschaftliches Zeichen gesetzt und eine Reihe von Aktionen und Kampagnen finden seit 1994 statt, um das Thema Demenz in das Bewusstsein der Menschen zu bringen. So auch in Ostbelgien, wo der Patienten Rat & Treff jedes Jahr rund um den Weltalzheimertag eine Demenzkampagne mit verschiedenen Veranstaltungen auf die Beine stellt.

Anfang letzten Jahres stellten Sie, werter Herr Minister, eine erste Demenzstrategie für Ostbelgien vor. Ziel der Strategie, die bis zum Jahre 2025 reichen soll, war und ist es, das Krankheitsbild Demenz zu enttabuisieren und die Vision einer demenzfreundlichen DG zu verwirklichen.

In der Strategie steht geschrieben, dass « die zukünftige Umsetzung der Demenzstrategie vom Innovationsgeist der Akteure, von den Erfahrungen und der Weiterführung bestehender guter Projekte, abhängig ist. »

Und genauso ist es. Es sind die Betroffenen selbst, die An- und Zugehörigen, das Personal aus Pflege und Betreuung sowie die Ehrenamtlichen, die letzten Endes die Strategie mit Leben füllen.

Daher meine Fragen nun an Sie, werter Herr Minister:

  • Haben sich nach der Veröffentlichung der ersten Demenzstrategie für Ostbelgien neue Projekte, Angebote oder Initiativen ergeben? Ist die DG in der Zwischenzeit noch demenzfreundlicher geworden? 

 

Ich danke Ihnen für Ihre Antwort.

Evelyn JADIN
Gemeinschaftsabgeordnete (PFF)

 

Antwort des Ministers.

Die erste Demenzstrategie für Ostbelgien haben wir gemeinsam mit den jeweiligen Akteuren erarbeitet. Sie bietet einen ethischen und theoretischen Rahmen, den nun alle gemeinsam mit ihren Ideen und Initiativen beleben sollen.
Wir haben sechs Handlungsfelder ausgemacht. Zur Erinnerung:

1. Offene, wertschätzende Kommunikation
2. Rechtzeitige Diagnose
3. Unterstützung der pflegenden Angehörigen
4. Erweiterung der Unterstützungsangebote der Menschen mit einer demenziellen Veränderung
5. Aus- und Weiterbildungen
6. Strukturierter Dialog zum Thema Demenz
Auf diesen sechs Achsen sind wir seitdem aktiv, um Ostbelgien demenzfreundlicher zu gestalten. Dieser Prozess wird aber Jahre dauern und er erfordert die Mitarbeit der verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Akteure.
Seit der Veröffentlichung der Strategie wurden eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt oder angestoßen.
Nachdem das Ministerium am Tag der Vorstellung der Demenzstrategie eine Weiterbildung für Fachleute und für pflegende Angehörige mit dem Poetry Slammer Lars Ruppel organisiert hat, wurden in der Folge zusätzliche Weiterbildungen durch den Patienten Rat und Treff und Info-Demenz-Eifel angeboten. Daran konnten die Mitarbeiter/innen der Krankenpflege und der häuslichen Hilfe ebenso teilnehmen wie die Angehörigen.
Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit hat die Info-Demenz Eifel ein Informationsfaltblatt erstellt, um allgemein über das Leben mit einem Menschen mit einer demenziellen Veränderung zu berichten und die damit verbundenen Aufgaben und Herausforderungen besser verständlich zu machen.
Wir haben einen Vertrag mit Info-Demenz-Eifel abgeschlossen, der ein Demenz-Café und eine Sportgruppe betreibt. Auf diese Weise werden regelmäßig Begegnungen für Menschen mit Demenz und/oder die Angehörigen organisiert. Diese Angebote dienen der Information, der Betreuung und der Entlastung.
Außerdem haben wir die Steuerungsgruppe Demenz ins Leben gerufen. Dieses Gremium besteht aus:
• Angehörigen von Menschen mit einer dementiellen Veränderung,
• Fachleuten der DSL, der APWH und der KPVDB,
• Fachärzten,
• Vertretern von Politik und Zivilgesellschaft sowie aus dem Justizbereich
Diese heterogene Konstellation gewährleistet einen offenen und vielseitigen Austausch.
Die Steuerungsgruppe hat ebenfalls mit der Erstellung eines Wörterbuchs begonnen. Dieses Nachschlagewerk soll zu einer wertschätzenden Kommunikation und einer Enttabuisierung beitragen. Es soll den Pflegekräften, den pflegenden Angehörigen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Die DSL wird zudem in Kürze ein „GPS-Trackingsystem“ zur Ausleihe anbieten, mit dem Menschen mit einer Hinlauftendenz – auf Anfrage der Polizei – geortet werden können. Hier war es uns besonders wichtig, im Vorfeld eine Reihe von ethischen Fragen mit den Angehörigen zu erörtern und zu klären.
Hinzu kommt, dass die DSL an einem Interreg-Projekt teilnimmt, an dem auch zwei ostbelgische Gemeinden (Amel und Kelmis) aktiv teilnehmen. In diesen Gemeinden werden demnach konkrete Projekte für Menschen mit einer Demenz angeboten.
Am 20. Oktober 2018 plant die AG Demenz einen Markt der Möglichkeiten, um den Bürgern die verschiedenen Angebote und Dienste rund um das Thema Demenz näher zu bringen und Kontakte herzustellen. Des Weiteren soll die Veranstaltung die verschiedenen Organisationen und Dienste zusammenbringen und die Netzwerkarbeit vorantreiben.

Im neuen Seniorendekret, das in Kürze im Parlament hinterlegt wird, haben wir uns mit der Frage zum Umgang mit den verschiedenen Bedarfen, darunter auch mit der Demenz, auseinandergesetzt.
Die Umsetzung der Strategie hat wie Sie sehen also schon begonnen. Wir stehen allerdings nur am Anfang und werden konsequent weiter daran arbeiten.