Werdegang

PFF: Geschichtlicher Überblick

Im deutschsprachigen Gebiet Belgiens hat es nach 1920 kleinere Gruppierungen gegeben, die die Ideale der großen Liberalen Parteien Altbelgiens der hiesigen Bevölkerung zu vermitteln suchten. In den dreißiger Jahren zeichnete sich die Partei u.a. durch ihr entschiedenes Eintreten gegen den Rexismus aus. So waren auch die Wahlreden des “Liberalen Verbandes”, welche am 17. Mai 1936 von Senator Forthomme sowie von Nicolas Schrobiltgen aus Kelmis im Eupener Hotel Koch gehalten wurden, von freiheitlichem Demokratieverständnis und Treue zum Königreich durchdrungen. 

Nachdem insbesondere das St.Vither Land im 2. Weltkrieg zerstört worden war, richtete die liberale Partei Sprechstunden für die Bevölkerung ein. Karl KREINS und der Abgeordnete VANDERSCHUREN, der öfters in St.Vith weilte, sind ab 1945 entschieden für die berechtigten Interessen ihrer Mitbürger eingetreten. 
Im Landesinneren wurde die klassische liberale Partei 1961 einer radikalen Verjüngungskur unterzogen. Folgerichtig nannte die Partei sich im deutschsprachigen Landesteil fortan “Partei für Freiheit und Fortschritt”. Die vier Eckpfeiler des Grundsatzprogrammes waren:

  1. – Privatinitiative in der Wirtschaft,
  2. 
- Verbesserung des Lebensstandards,
  3. – 
kulturelle Eigenständigkeit und
  4. – Freiheit der Konfession.

Somit wurde die humanistisch-rationalistische Weltanschauung erneut bekräftigt. 
Den entscheidenden Anstoß zur “Dynamisierung” der PFF im Eupener und St.Vither Land gab Ende 1967 der Sturz der Regierung VANDENBOEYNANDS – DECLERCK. Die christlich-liberalen Regierenden waren durch den CSP-Abgeordneten VERROCKEN zu Fall gebracht worden. Auch in unserem Raum zeigte man sich über die Doppelzüngigkeit des Koalitionspartners bestürzt. Im März 1968 kam es anlässlich des Wahlkampfes für die Kammer- und Senatswahlen in Eupen zum Eklat: das “Grenz-Echo” hatte sich geweigert, hiesige PFF-Politiker zu Wort kommen zu lassen. Deshalb entschloss man sich, eigene PFF-Wahlzeitungen zu drucken. 

Darin ging es dann ohne Unschweife zur Sache: “Sie, die Wähler, denken sicher, in einem freien Lande zu leben! Sie bedauern (.) die unfreien Menschen jenseits des Eisernen Vorhangs. Sie wissen jedoch nicht, dass es auch unfreie Menschen bei uns in Eupen, Malmedy und St.Vith gibt. Diese unfreien Menschen denken wie die Partei, die seit Kriegsende hier tun und lassen konnte, was sie wollte (.) (PFF-Kurier Nr.1, März 1968). Auf der PFF-Liste standen 1968 u.a. die Herren NOEL aus Eupen, LOUIS aus St.Vith, VONCKEN aus Kelmis und GERLACH aus Büllingen. 

Im Raum Eupen wurde Gert NOEL übrigens von jungen Leuten wie Hans Engels, Edgar Paulus, Alfred Küchenberg und Freddy Derwahl umgeben. Obwohl im Wahljahr 1968 bedeutende Stimmenanteile für die PFF abfielen, blieben die Mehrheitsverhältnisse wie gehabt. Gert NOEL lehnt den Senatssitz ab und der St.Vither Tierarzt Michel LOUIS zieht für ihn ins Hohe Haus. Zu diesem Zeitpunkt gründen Ferdel SCHRÖDER und Yves KREINS in St.Vith die JFF – Jugend für Freiheit und Fortschritt. 
1971 holte die PFF mit Michel LOUIS dann sensationelle 54% der Stimmen im Kanton St.Vith. Da es jedoch auf Landesebene schwere Verluste für die PLP gab, ließ der Bezirk Verviers den St.Vither Kandidaten LOUIS zugunsten eines frankophonen Mitstreiters auf der “Auswechselbank” schmoren! Wie wir wissen, zog Michel LOUIS daraus die Konsequenzen.

Somit waren die anderen nun gewarnt: Die Partei für Freiheit und Fortschritt baute spätestens ab 1974 auf ihre 2 Eckpfeiler: Bernd GENTGES, der den Süden unserer Gemeinschaft vertrat, war Berater im Brüsseler Ostbelgienkabinett. Fred EVERS, der von Bub FATZAUN für die PFF-Eupen gewonnen werden konnte, wurde – damals zu seiner eigenen Verwunderung – Abgeordneter der Kammer für die PFF. Damit begann die “Evers-Ära”: ein Viertel Jahrhundert war er ununterbrochen Parlamentarier und Bürgermeister. 
In den späten 70er Jahren, durch die 80er Jahre hindurch. und bis zum heutigen Tage kann man die Geschichte der ostbelgischen PFF ruhigen Gewissens eine erfolgreiche nennen. Auf allen Ebenen hat die PFF in der Verantwortung gestanden. Man erinnere an den ersten Unterrichtsminister und Ministerpräsident unserer Gemeinschaft, Bruno FAGNOUL, an Bernd GENTGES, der mehrere Ministermandate erworben hat.
Am 24. März 2002 fand der Gründungskongress des Mouvement Réformateur, der Reform-Bewegung statt. PRL, FDF, MCC und die PFF bilden die Reformbewegung, in der die PFF gleichberechtigter Partner ist. Der Präsident der PFF ist auch Vizepräsident der Reformbewegung. Das Manifest wird am 1.9.2002 in Rochefort beschlossen.
Seit Parteigründung hat die PFF eine schnelle Entwicklung erfahren und etliche Mitglieder hatten sämtliche Mandate inne: Von 1990 bis 2009 war Bernd Minister in verschiedenen Aufgabenbereichen der DG. Seit 2004 fungiert Isabelle Weykmans als Ministerin für Sport, Kultur, Jugend, Tourismus und Denkmalschutz. Bis 2009 vertrat Berni Collas die DG im Senat. Im Provinzialrat tagten zuerst Bodo Lux und Heinz Keul. Als letzterer aber den im Jahre 2010 verstorbenen Berni Collas im PDG ersetzte, übernahm Caroline Margrève das Amt im Provinzialrat. Seit 2012 ist Evelyn Jadin die neue Provinzialratsabgeordnete.
Die PFF-Fraktion im PDG wurde bis zu den Neuwahlen im Jahre 2010 von Ferdel Schröder angeführt. Dann wurde dieser zum Parlamentspräsidenten gewählt und Emil Dannemark übernahm den Vorsitz der Fraktion. Weitere Parlamentarier der aktuellen Legislaturperiode waren neben Ministerin und Provinzialratsabgeordnete: Berni Collas, später durch Heinz Keul ersetzt, sowie Hans-Dieter Laschet, der später durch Alexander Miesen ersetzt wurde.
Nach dem traurigen Tod von Ferdel Schröder im Jahre 2013, rückte Jenny Moeres ins Parlament nach und Alexander Miesen wurde zum neuen Parlamentspräsidenten gewählt.
Nicht zuletzt, hat Kattrin Jadin 2009 die PFF-Präsidentschaft übernommen und vertritt auch seit 2007 die DG in der Kammer. Am 13. Juni 2010 wurde sie erneut ins föderale Parlament gewählt und 2013 in ihrem Amt als PFF-Vorsitzende bestätigt.