Wir fragen nach: Bildungsorganisationen in der Erwachsenenbildung auf dem Weg hin zu mehr Synergien!


Regierungskontrolle vom 17. Mai 2018 – Ausschuss III für Unterricht, Ausbildung und Erwachsenenbildung

Frage von Gregor FRECHES zu Bildungsorganisationen in der Erwachsenenbildung


In der Deutschsprachigen Gemeinschaft gibt es viele Bildungsorganisationen, die Angebote für die Erwachsenenbildung schaffen. In unseren Augen ist dies eine sehr wichtige Aufgabe in der heutigen Zeit, da lebenslanges Lernen theoretisch nie aufhört.

In den Anhörungen der verschiedenen Erwachsenbildungsorganisationen im Ausschuss 3 kristallisierte sich jedoch heraus, dass es schwierig ist, Besucher bzw Teilnehmer zu motivieren oder gar zu finden. So auch bei der letzten Tätigkeitsvorstellung Anfang diesen Monats. Viele Angebote überschneiden sich sogar. Als konkretes Beispiel können hier die Sprachkurse genannt werden.
Wohl wissend dass jede der Organisationen autonom ist und ihre Angebote frei definieren kann, obliegen sie dennoch den Vorgaben des Dekretes. Eine solche, ja nennen wir es Konkurrenzsituation, ist daher wenig förderlich und führt bei allen Beteiligten zu einer gewissen Art von Ratlosigkeit. Man befürchtet sogar den Vorgaben in naher Zukunft nicht mehr Folge leisten zu können.

Viele dieser VOG’s bieten aber auch spezifische Kurse an, die man im Grunde genommen nur bei dieser Organisation vorfindet.

Daher meine Fragen an Sie, werter Herr Minister:

• Wie könnten hier Synergien zwischen den Angeboten der verschiedenen Bildungsorganisationen geschaffen werden, um eine Überschneidung der Angebote zu vermeiden?
• Wäre ein Rundtisch zwischen den Organisationen denkbar, um eine verbesserte Zusammenarbeit der Bildungsorganisationen zu gewährleisten?


Antwort des Ministers:


Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
werte Kolleginnen und Kollegen,

Tatsächlich gibt es in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ein sehr umfangreiches Angebot an Kursen für Erwachsene, speziell Sprachkurse.
Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Mehrsprachigkeit der Bürger in einer Grenzregion wie der unsrigen fundamental zu ihrer Beschäftigungsfähigkeit und einem interkulturellen Austausch mit den Nachbarregionen beiträgt.
Deshalb legt die ostbelgische Regierung einen Schwerpunkt auf Mehrsprachigkeit respektive auf Sprachkurse.

2015 führten sechs der zwölf anerkannten Einrichtungen der Erwachsenenbildung 242 Sprachkurse durch, die in einem großen Maße in punkto Zielgruppen, didaktische Methoden, Intensität, Zeitraum oder Dauer unterschiedlich und demnach komplementär sind.
Alteo z.B. bietet Weiterbildungen im lautsprachlich begleiteten Lernen an.
Dabei lernen die Teilnehmer mit den Regeln der ihnen vertrauten gesprochenen Sprache mit Handzeichen aus der Gebärdensprache zu kommunizieren.

Die Lupe bietet Sprachkurse in sechs Sprachen an: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch und Spanisch.
Zielgruppe sind Erwachsene, die ihre Sprachkenntnisse für den Alltagsgebrauch verbessern möchten.
Die Frauenliga hingegen fokussiert sich auf arbeitssuchende Frauen und organisiert darüber hinaus gemeinsam mit der VHS und der KAP Sprachkurse in Französisch und Deutsch für Menschen mit Migrationshintergrund.
Gerade diese Kurse sind ein ostbelgisches Best Practice in punkto Zusammenarbeit und Synergie unterschiedlicher Bildungsanbieter.
Darüber hinaus organisiert die KAP zahlreiche Sprachkurse auf verschiedenen Niveaus in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch.
Ein Alleinstellungsmerkmal der KAP ist sicherlich, dass die Absolventen der Französisch- und Deutschkurse eine telc-Zertifizierung oder ein Zertifikat des Goetheinstitut bzw. des „Institut des Langues Vivantes“ nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen erhalten können und dass rund 55 Sprachangebote sich insbesondere an Sekundarschüler in Form von Stützkursen richten.
Gleichzeitig erhält die Regierung immer wieder Anfragen, die von einem darüber hinaus gehenden spezifischen Bedarf an Sprachkursen zeugen.
So möchten beispielsweise Frauenliga, VHS und KAP Deutsch- und Französischsprachkurse für Akademiker mit Migrationshintergrund anbieten.
Die CAJ hingegen sieht Bedarf für einen Französischkurs, um die Vermittlungschancen von Personen mit multiplen Vermittlungshemmnissen zu verbessern.
Gerade am Beispiel der Sprachkurse lässt sich zeigen, dass die Angebote der Erwachsenenbildungseinrichtungen zum größten Teil im Rahmen ihrer Gesamtkonzepte komplementär sind.
Zudem prüft das Ministerium eingehende zusätzliche Zuschussanfragen auf die Vermeidung von Doppelangeboten und sensibilisiert für die bestehenden Angebote der etablierten Sprachkursanbieter.
Durch die Weiterbildungsberatung im Ministerium wissen wir, dass die Einrichtungen der Erwachsenenbildung gegebenenfalls Kurssuchende an andere Einrichtungen verweisen, die die entsprechende Zielgruppe bedienen.

Das Dekret vom 17.November 2008 legt in Artikel 3 fest, dass jede Einrichtung der Erwachsenenbildung ihr Weiterbildungsangebot gemäß ihrer jeweiligen Zielsetzung in einem vierjährigen Gesamtkonzept festlegt.
Gleichzeitig fordert das Dekret die Einrichtungen der Erwachsenenbildung auf, ein koordiniertes Bildungsangebot zu erarbeiten.
Eine zentrale Rolle bei der Abstimmung zwischen den Erwachsenenbildungs-organisationen kommt hierbei dem Rat für Erwachsenenbildung zu.
Er ist das Austausch- und Zusammenarbeitsgremium der anerkannten Erwachsenenbildungsorganisationen und unterstützt sie zu allen Fragen der Qualitätsentwicklung und -sicherung.
Auch kann der Rat für Erwachsenbildung eigeninitiativ auf andere Weiterbildungsträger zugehen und in gemeinsamen Sitzungen oder Rundtischgesprächen sich gegenseitig über ihre Angebote informieren und untereinander nach Synergien und Kooperationen suchen.
Bereits aktuell werden gemeinsam durchgeführte Weiterbildungen bei allen beteiligten Organisationen zwecks pauschaler Zuschussberechnung angerechnet.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!