Wir fragen nach! – Gesundheit: « Medizinische Versorgung bald über das Smartphone »


Regierungskontrolle vom 14. März 2018 – Ausschuss IV für Gesundheit und Soziales

 

Frage von Evelyn JADIN zur Digitalisierung in der ostbelgischen Gesundheitslandschaft


 

Die Digitalisierung macht auch vor dem Gesundheitssektor keinen Halt und bietet enorme Chancen für ein effizienteres und leistungsfähigeres Gesundheitssystem.

Sei es im Bereich der Prävention, der Diagnosestellung, der häuslichen Behandlung … noch nie war die Patientenversorgung so vernetzt und emanzipiert wie heute. E-Health, sprich der « Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) im Rahmen von gesundheitsbezogenen Aktivitäten » spielt eine immer grösser werdende Rolle. Laut der Beratungsfirma Roland Berger soll sich der digitale Gesundheitsmarkt bis 2020 mehr als verdoppeln.

In einem Artikel vom 22. Februar 2018 beschreibt das Wochenmagazin « LeVif » die zukünftige Funktion der Krankenhäuser wie folgt : « Vom einst globalen Zentrum der Pflege wird das Krankenhaus der Zukunft ein Element der dezentral organisierten Kette der Gesundheitsversorgung darstellen. (…) Die häusliche Pflege wird bevorzugt, da sie weniger kostspielig ausfallen wird und dies insbesondere durch die Nutzung der mobilen Technologie».

Auch bei uns in Belgien laufen seit 2017 knapp 24 Pilotprojekte in diesem Bereich. Ein juristischer Rahmen für Apps in der Gesundheitsversorgung musste demnach schnellstens her. Gesundheitsministerin Maggie De Block hat dies erkannt und eine „Wertungspyramide“ auf den Weg gebracht. Laut diesem System sollen Ärzte, die digitale Apps in der Gesundheitsversorgung anwenden, zukünftig eine Vergütung erhalten.

Meine Fragen nun hierzu :

  • Inwiefern werden digitale Apps in der Gesundheitsversorgung bei uns in Ostbelgien eingesetzt ?
  • Wie sind unsere beiden deutschsprachigen Krankenhäuser digital aufgestellt ?

 

PFF Digitalisierung Gesundheit

 

Antwort des Ministers:

Die digitale Welt, wie wir sie heute kennen, war vor 15 Jahren noch undenkbar. Mit der fortschreitenden Digitalisierung haben auch zahlreiche Begriffe Einzug in den deutschen Sprachgebrauch gehalten. Einer davon sind die „Apps“, die heute in aller Munde sind. Apps dienen aber nicht nur zur unkomplizierten und schnellen Kommunikation und Unterhaltung rund um die Uhr, auch in der Gesundheitsversorgung finden die medizinischen Apps im wahrsten Sinne des Wortes immer mehr Anwendung.

Dieser Trend wird die Gesundheitsversorgungslandschaft nachhaltig prägen. Fortan steht der Bürger im Mittelpunkt. Das Ziel ist es, ihn über digitale Anwendungen zu erfassen, begleiten und beraten.

Bei der Interministeriellen Konferenz (IMK) Gesundheit vom 19. Oktober 2015 unterzeichneten der Föderalstaat, die Regionen und die Gemeinschaften das Protokoll zur Umsetzung des Planes e-health (esanté).

Fr11 Dieser umfasst 20 Aktionspunkte, die bis Ende 2018 umgesetzt werden sollen. Darunter befindet sich auch ein Aktionspunkt zu den „mobilen health Apps“. Bei dem ersten Umsetzungsschritt dieser Aktion wurden 24 Pilotprojekte unter Federführung der Föderalregierung genehmigt und nach einer ersten Testphase evaluiert. Die Pilotprojekte wurden meist von großen Einrichtungen oder Universitätskliniken ins Leben gerufen. Aus Ostbelgien reichte keine Einrichtung eine Kandidatur ein.

Eine erste Evaluation der Pilotprojekte ergab, dass die Apps:

(1) den Kontakt zwischen Patienten und Gesundheitsdienstleistern anregen;

(2) die Kontinuität der Gesundheitsversorgung des Patienten z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt gewährleisten;

(3) die Patienten dazu motivieren, ihre verschriebene Behandlung weiterzuführen;

(4) eine erhöhte Effizienz aufweisen, in denen disziplinübergreifend gearbeitet wurde (Einrichtungen, Gesundheitsdienstleister, Partner aus der Industrie etc.);

(5) einfach zu handhaben, sicher (Datenschutz) und eventuell auch mit anderen Applikationen kompatibel sind (z.B. elektronische Patientenakte Krankenhaus – Hausarzt etc.).

Die Testphase der Pilotprojekte kann also positiv betrachtet werden, sodass die weiteren Schritte nun folgen können. Derzeit arbeitet die Föderalregierung somit

(1) an einem Validierungssystem der medizinischen Apps;

(2) an der Schaffung einer Rechtsgrundlage zur Nutzung von medizinischen Anwendungen.

Fr 32 Das Protokoll zur Umsetzung des Planes e-health (esanté) beinhaltet die Förderung des informatisierten Patientendossiers. Dies soll spätestens bis Ende des Jahres erfolgt sein. Den Stand der Umsetzung dieses Schwerpunktes haben wir im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Zorginspectie beleuchtet.

Im Sankt Nikolaus-Hospital (SNH) wird die Patientenakte in allen Diensten implementiert – mehr als 95% der Ärzte nutzen sie. Die Klinik Sankt Josef (KSJ), auch wenn die Patientenakte in allen Diensten Anwendung findet, steht vor neuen Herausforderungen, nachdem der Anbieter das genutzte Produkt „Omnipro“ nicht mehr unterstützt.

Das Krankenhaus sucht daher eine neue elektronische Patientenakte. Die Wahl wird aller Voraussicht nach in Absprache mit anderen Krankenhäusern aus dem Netzwerk getroffen. Dieses Projekt ist prioritär, um die Pflegequalität und die Patientensicherheit weiterhin gewährleisten zu können.

Parallel zu der Patientenakte laufen in unseren Krankenhäusern erste Projekte im Bereich der Telemedizin an. Ich denke da beispielsweise an Stroke-Unit und die Zusammenarbeit zwischen der KSJ und dem CHC oder der Austausch von Bildmaterial in der Radiologie zwischen unseren beiden Einrichtungen und dem Partner CHC.

Fr 2 3 Die Nutzung digitaler Apps in der Gesundheitsversorgung ist auch schon in der DG Realität. Doch auch hier gilt es, die Entwicklungen stets im Auge zu behalten und die richtigen Wege zu beschreiten.

Möchten wir die Gesundheitsversorgung für unsere Mitbürger nachhaltig gestalten, müssen wir hier verstärkt aktiv sein.

Ich werde die Entwicklungen auf föderaler Ebene weiterverfolgen und die Ausarbeitung einer Gesetzgebung abwarten, um anschließend die Umsetzung in Ostbelgien, in Zusammenarbeit mit den hiesigen Gesundheitsdienstleistern, zu starten.

Die Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Krankenhäusern und dem CHC und die geteilten Diensten spielen in diesem Kontext eine besondere Rolle. So sollten die Krankenhäuser bei Anschaffungen auf die Kompatibilität der Geräte und Programme achten, damit in der Folge auch der Datenaustausch vereinfacht wird.

Wir befinden uns also auf einem guten Weg, doch dieser ist noch lange nicht zu Ende und durchaus steinig.