„Familie, Beruf und Familienpolitik“ – Themendebatte

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Redebeitrag Evelyn JADIN

ÖFFENTLICHE THEMENDEBATTE IM AUSSCHUSS 4

„Familie, Beruf und Familienpolitik“


 PFF Work-Life-BalanceEvelyn

 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Sehr geehrter Herr Minister,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

 

Fachkräfte sichern, die Wettbewerbsfähigkeit stärken und persönliche Entfaltung ermöglichen: Wunschvorstellung oder Realität?

 

Wie gelingt der Spagat zwischen beruflicher und privater Entfaltung?

 

Ziel der gemeinsamen Anstrengungen – sowohl von Politik und Gesellschaft als auch von Arbeitnehmern und Arbeitgebern – muss es sein, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen und die Hemmnisse abzubauen, die Arbeitnehmern viele Chancen auf allen Ebenen des Arbeitsmarkts verbauen.

 

Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist für viele Erwerbstätige eine tägliche Herausforderung und gewinnt in unserer modernen Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung.

 

Je einfacher Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Spagat gelingt, desto besser können sie sich auf die Aufgaben im Unternehmen konzentrieren. Denn man sollte nicht vergessen, dass die Arbeit und das Nachgehen einer Tätigkeit für viele Menschen auch eine Bedingung für eine ausreichende Lebensqualität und dies nicht ausschließlich aufgrund ihrer finanziellen Situation.
Familienfreundlichen Maßnahmen sprechen längst nicht mehr nur Frauen an, denn auch immer mehr Männern ist die Teilhabe am Familienleben ein wichtiges Bedürfnis.

 

In erster Linie zählen dazu die Arbeitszeitgestaltung und die Kinderbetreuung.

 

Zur Kundenbetreuung….

 

Zunächst ist hier die öffentliche Hand in der Pflicht, die für eine ausreichende Infrastruktur von Kinderbetreuungsplätzen und Pflegeeinrichtungen sorgen muss.

 

Die Unternehmen nehmen ihre Verantwortung auf betrieblicher Ebene wahr.

 

Auf Gemeinschaftsebene wurde das bestehende Betreuungsangebot bereits erweitert. Gleichzeitig wurden zu dem Maßnahmen finanzieller Natur, wie z.B. die Erhöhung der Kinder- und Familienzulagen ab 2019, getroffen.

 

Auf Unternehmensebene bedeutet Vereinbarkeit von Familie und Beruf aber auch, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Sachen Flexibilität gemeinsam an einem Strang ziehen und bereit sind, immer wieder neue Wege zu gehen.

 

Hierbei sollte die Nutzung „der kurzen Dienstwege“ um Maßnahmen individuell anpassen und flexibel einsetzen zu können ermöglicht werden, denn oftmals besteht zwar der Goodwill aber kein rechtlicher Rahmen…

 

Mit dem Gesetz vom 5. Marz 2017 über die machbare und handliche Arbeit wurden neue Rahmenbedingungen zwecks flexibler Handhabe der Arbeitsgestaltung geschaffen und das bestehende Angebot zur zeitlichen Flexibilität, Teilzeit, individuelle berufliche Auszeiten, Homeoffice, um flexible Arbeitszeitmodelle erweitert und ergänzt.

 

Ein Beispiel sagt manchmal mehr als tauschend Worte…

 

Nehmen wir das Beispiel eines jungen Vaters, der am 1. Dezember zum ersten Mal Vater geworden ist. Welche Möglichkeiten bestehen für ihn sich sowohl seiner Familie, als auch seinem Beruf widmen zu können ohne besondere finanzielle Einbußen erleiden zu müssen?

 

  • Der Vaterschaftsurlaub

 

Zu allererst kann der junge Vater bereits 10 Tage Vaterschaftsurlaub beantragen. Er kann diese Tage beliebig während den 4 ersten Monaten nach der Entbindung nehmen. Die Tage müssen zudem nicht in einem Stück genommen werden.

Lohn- und Abrechnungstechnisch sind die 3 ersten Tage zu Lasten des Arbeitgebers (zu 100%). Die 7 weiteren Tage sind zu Lasten der Krankenkasse (analog zum Mutterschaftsurlaub). Der Arbeitnehmer erhält 82% seiner monatlichen Bruttoentlohnung (gedeckelt auf 3.533,75 EUR/Monat).

Ok… 10 Tage sind nun nicht wirklich viel… daher… besteht die Möglichkeit im Anschluss daran Elternurlaub zu beantragen.

 

  • Elternurlaub

 

Unserem jungen Vater wird die Möglichkeit geboten entweder, während

  • 4 Monaten vollzeitlich
  • 8 Monaten halbzeitlich oder
  • 20 Monaten zu 1/5

Elternurlaub zu beantragen.

In diesem Fall erhält er  seitens des LfA/Onem eine Entschädigung in Höhe von max. 818,56 EUR brutto/Monat im Falle einer vollzeitlichen Aussetzung, 409,27 EUR brutto/Monat im Falle einer halbzeitlichen Aussetzung und 138,84 EUR brutto/Monat im Falle einer Aussetzung von 1/5).

Damit der junge Vater aufgrund seines Elternurlaubs nicht um seinen Arbeitsplatz bangen muss, genießt er einen besonderen Kündigungsschutz.

Und danach? Danach besteht gegebenenfalls noch die Möglichkeit einen Zeit-Kredit zu nehmen…

 

  • Zeit-Kredit

 

Der Zeitkredit kann aus  unterschiedlichen Gründen beantragt werden, wie z.B.:

  • um sich um sein unter-8-jähriges Kind zu kümmern;
  • um einem schwerkranken Haushaltsmitglied oder einem Familienangehörigen Pflege oder Beistand zu leisten;
  • um Palliativpflege zu leisten;

Die Dauer des Zeitkredits kann bis zu max. 51 Monate betragen.

Unser junger Vater ist seit mehr als 5 Jahren bei seinem jetzigen Arbeitgeber beschäftigt und möchte einen halbtags Zeitkredit beanspruchen. In diesem Fall erhält er ungefähr 330,00 EUR brutto Zulagen durch das LfA.

 

Dies ist natürlich nur eines von vielen Beispielen, andere wie z.B. die Möglichkeit der Arbeit im Home-Office oder ähnliches stellen weitere Maßnahmen dar, die vielleicht nicht direkt greifbar sind aber für den betroffenen Mitarbeiter sehr wirksam.

 

Der Bedarf steigt stetig aber wie Sie sehen können, werte Kolleginnen und Kollegen bleiben weder die Privatwirtschaft, noch die öffentliche Hand untätig.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Evelyn JADIN
Gemeinschaftsabgeordnete