« Ärztemangel: Eine gute Ausbildung hat immer Priorität »


Plenarsitzung vom 23.10.2017

Redebeitrag zur Interpellation zum Thema Ärztemangel

von Evelyn JADIN


Sehr geehrter Herr Präsident,

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen aus Parlament und Regierung,

 

meine beiden Mehrheitskollegen, Frau Lydia KLINKENBERG und Frau Kirsten NEYCKEN BARTHOLEMY sind bereits weitestgehend auf die durch Herrn Kollegen Nelles angesprochene Problematik eingegangen, sodass es keiner Wiederholung meinerseits bedarf und ich meinen heutigen Beitrag auf die Vergabe der LIKIV-Nummer beschränken möchte.

Herr Kollege NELLES spricht die Vergaberegeln der LIKIV-Nummern und die von Frau Ministerin DE BLOCK angestrebte Reform an und spricht von einer Beschränkung der Ärztezulassungen.

Im Rahmen seiner Interpellation scheint Herr Kollege Nelles den historischen Kontext dieser Reform außer Acht zu lassen.

Ich erlaube mir Ihnen diesen daher kurz in Erinnerung zu rufen:

Der föderale Numerus Clausus wurde 1997 unter Führung einer christlich-sozialistischen Regierung eingeführt, sprich eine Begrenzung der LIKIV-Nummern für Absolventen eines belgischen Medizinstudiums. Die verfügbaren Nummern werden zudem entsprechend eines 60-40 Schlüssel zwischen Flamen und Frankophonen verteilt.                                                                                                                                                       Die Liberalen haben sich stets für eine Regulierung zu Beginn des Studiums (und nicht zum Schluss) ausgesprochen – dies vor dem Hintergrund das medizinische Angebot zu regeln und weiterhin eine qualitativ hochwertige Ausbildung bieten zu können.

Um diesem Kriterium gerecht zu werden bedarf es außerdem einer ausreichenden Infrastruktur, sowie genügend Praktikumsplätzen. Wie kann man etwas besser verstehen und erlernen als in der Praxis?

Die heutige Problematik betrifft, wie vom Interpellanten angeführt, hauptsächlich die Studenten der Fédération Wallonie-Bruxelles.

 

PFF Ärztemangel

 

Weshalb? Weil die damaligen Regierungen der Fédération Wallonie-Bruxelles nicht versucht haben, das Problem der Regulierung anzupacken! Im Gegenteil, sie haben ein System eingeführt, das nicht nur in meinen Augen unmenschlich erschien, sondern zudem auch gesetzeswidrig war.

Weshalb hat man sich auf Ebene der Fédération-Wallonie-Bruxelles eigentlich nicht mit einem Vorbereitungsjahr für angehende Medizinstudenten beschäftigt um diese auf das Studium und die Aufnahmeprüfung vorzubereiten?

Die Föderalministerin De Block hat in diesem Dossier diverse Baustellen in Angriff genommen.

Alle Medizinstudenten, die sich derzeit noch im Studium befinden, werden zum Abschluss Ihrer Ausbildung über eine Zulassungsnummer verfügen.

Es wurde ein dynamisches Kataster der aktiven und praktizierenden Ärzte erstellt, um auf diese Weise besser erfassen zu können, wie das medizinische Angebot wirklich aussieht, da einige Mediziner, die eine Zulassungsnummer besitzen, überhaupt nicht mehr praktizieren.

Das Kataster trägt dieser Tatsache Rechnung und definiert letztendlich Ärzte, die weniger als 500 medizinische Leistungen pro Jahr tätigen als inaktiv.

Gleiches gilt zudem für Forscher, Rechtsmediziner und Vertrauensärzte.

Was die Zulassungsnummer für ausländische Ärzte betrifft, so weise ich darauf hin, dass dies zum einen u.a. vor dem Hintergrund des Ziels einer medizinischen Versorgung in deutscher Sprache in unserem Sprachgebiet eher positiv als negativ zu werten ist.

Und zum anderen, dass die ausländischen Ärzte, bzw. die Ärzte die im Ausland studiert haben, den belgischen Ärzten keine Nummern „wegnehmen“, denn Ihre Zulassungsnummern werden außerhalb der festgelegten Quote erteilt.

Zu Ihrer Information, nur 2,7% der Ärzte, die im Ausland studiert haben, lassen sich in Belgien als Allgemeinmediziner nieder.

Herr Nelles, Sie sprechen von einem Ärztemangel, aber de facto betrifft der Mangel eigentlich laut der belgischen Vereinigung der medizinischen Gewerkschaften fast ausschließlich die Allgemeinmediziner.

Bei Spezialisten herrsche gar ein Überangebot…

Da liegt eben der berühmte Hase im Pfeffer, werte Kolleginnen und Kollegen! Diesem Problem gilt es entgegenzuwirken.

Wie die DG mit dieser Problematik des Mangels an Allgemeinmedizinern umgeht und was sie unternimmt hat Herr Minister ANTONIADIS bereits ausführlich erläutert und dargestellt, sodass sich diesbezüglich eine Wiederholung meinerseits erübrigt.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Evelyn JADIN