Wir fragen nach! Programm zur Förderung von MINT-Lehrern auch in der DG?


 

Regierungskontrolle vom 12. Oktober 2017 – Ausschuss III für Unterricht, Ausbildung und Erwachsenenbildung

 

Frage von Gregor FRECHES zur MINT-Lehrer-Nachwuchsförderung

 


Werter Herr Minister MOLLERS,

Zuletzt wurde in den Medien über das Projekt MILeNA berichtet. MILeNA steht für „Mint-Lehrer-Nachwuchsförderung“ und sieht folgendermaßen aus:

„Sie sind erst in der zehnten oder elften Klasse und stehen doch schon ganz allein vor einer großen Schülergruppe: Rund 20 Schülerinnen und Schüler des Einhard-Gymnasiums AACHEN nehmen aktuell am Projekt „MILeNa – “ teil.“

Dieses Programm MILeNA zielt auf die Gewinnung von am MINT-Lehramt interessierten und hierfür besonders geeigneten Schülerinnen und Schülern ab, die in einem zweijährigen Förderprogramm ab Klasse 10 in ihrer Berufsentscheidung begleitet werden.

Im Rahmen einer Qualitätsoffensive Lehrerbildung werden hier neue Wege zur Gewinnung von späteren Lehrkräften nicht nur wissenschaftlich koordiniert, sondern ebenfalls begleitet und evaluiert.

Ein in unseren Augen sehr interessantes Projekt, welches sich der Problematik des Lehrermangels stellt und neue Möglichkeiten zur Gewinnung von interessierten Jugendlichen gerade im Bereich der MINT Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) aufzeigen könnte.

Meine Frage nun an Sie, werter Herr Minister:

  • Wie sehen Sie die Möglichkeiten der Umsetzung eines solchen Programms auf Ebene der DG?
  • Falls ja, wie könnte die AHS in dieser Überlegung miteingebunden werden?

Ich danke Ihnen für ihre geschätzte Antwort.

 

Gregor FRECHES

Fraktionsvorsitzender der PFF

 

MINT

 

Antwort des Ministers

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, Werte Kolleginnen und Kollegen,

Im Herbst 2013 startete in der Bundesrepublik das Nachwuchsförderprogramm für Schüler der Sekundaroberstufe, die sich für das Lehramtsstudium in einem naturwissenschaftlichen Fach interessieren.
In der Pilotphase nahmen 38 Schüler der Jahrgangsstufe 10 aus 4 Schulen an dem Programm teil.

Sie gestalteten eigene Lehrangebote für jüngere Schüler und besuchten speziell für sie entwickelte ganztägige fachdidaktische Veranstaltungen an den beteiligten Hochschulen. Seit Herbst 2014 wird das Programm auf weitere Jahrgänge aus den bisherigen Projektschulen und auf andere Schulen ausgeweitet.

Das Programm soll den Schülern zeigen, wie ein Lehramtsstudium aufgebaut ist und wie der berufliche Alltag eines Lehrers aussieht.
Bisher haben ca. 100 Schüler das Programm abgeschlossen, ca. 150 absolvieren es zurzeit.

MILeNa richtet sich nicht an einzelne interessierte Jugendliche, sondern an die Schulen, die sich dem MINT Excellence Netzwerk des Vereins MINT-EC angeschlossen haben. Dabei handelt es sich um Schulen, die durch spezifische Angebote die MINT- Kompetenzen der Schüler fördern.

Die Angebote an den Schulen werden flankiert von weiteren Maßnahmen.
Dazu zählen
• berufsvorbereitende Veranstaltungen an einer Hochschule mit MINT- Lehramtsausbildung,
• gemeinsame Veranstaltungen von Programmteilnehmern aus verschiedenen Schulen, insbesondere Besuche von außerschulischen Lernorten wie Schülerlaboren und Wissenschaftsmuseen,
• Schüleraustausche, bei dem die Teilnehmer an einer MINT-EC-Partnerschule in Aktivitäten im MINT-Bereich eingebunden werden,
• und die Netzwerkbildung: jeder Teilnehmer wird in ein Netzwerk von Schülern mit Interesse am MINT-Lehramtsberuf eingebunden, das im Rahmen des Programms aufgebaut wird.

MILeNa wird durch die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung finanziell gefördert und durch den MINT-EC-Verein koordiniert.
Die wissenschaftliche Begleitung wird durch Fachdidaktiker der RWTH Aachen, der Universität Duisburg-Essen und der Goethe-Universität Frankfurt gewährleistet.

Der Vorstandsvorsitzende des MINT-EC-Vereins, Herr Wolfgang Gollub, war am 27.9. bei der Auftaktveranstaltung zum Jahr der Naturwissenschaften und Technik zu Gast in Eupen.
Er hat allen Sekundarschulleitern und ungefähr 40 Naturwissenschaftslehrern die Vorteile einer Mitgliedschaft im MINT-EC-Verein erläutert und sie eingeladen, sich im Frühjahr 2018 um den Beitritt zum Netzwerk zu bewerben.

Nach dem Vortrag von Herrn Gollub fand ein Austausch mit zwei Schulleitern aus Aachen statt, die diesem Netzwerk angehören.
Diese beiden Schulleiter haben ihre Angebote im MINT-Bereich, so auch MILeNa, vorgestellt.

Sie haben sich bereit erklärt, Schulleiter und Lehrer aus Ostbelgien hospitieren zu lassen. Einige Lehrer haben nach der Veranstaltung Interesse bekundet.

Wir erhoffen uns den Beitritt mindestens einer Sekundarschule zum MINT-EC-Netzwerk. Diese Schule könnte als Pilotschule fungieren und am MILeNa-Projekt teilnehmen.
Den Beitritt können wir natürlich nicht erzwingen, würden ihn aber aufgrund des auch in Ostbelgien deutlich spürbaren MINT-Lehrermangels sehr begrüßen.

Kommen wir nun zu Ihrer zweiten Frage.

Mit dem Programm MILeNA bieten die MINT-EC-Schulen interessierten Schülern die Gelegenheit, sich selbst in Lehrsituationen im MINT-Bereich zu erproben – indem sie z.B. MINT-Unterricht in der Grundschule oder der Sekundarunterstufe erteilen.
Wie Sie wissen, werden die Grundschullehrer in Belgien in den MINT-Disziplinen nicht fachspezifisch ausgebildet, wie es in Deutschland in gewissen Bundesländern der Fall ist. Das Programm richtet sich jedoch an angehende Lehramtsstudenten, die ein MINT-Fach unterrichten wollen.

In Ostbelgien wäre eine Teilnahme daher für Schüler interessant, die später Mathematik oder Naturwissenschaften in der Sekundarschule unterrichten möchten.

Es scheint mir, insbesondere aufgrund der MINT-Ausrichtung des Projekts, schwierig, die AHS einzubeziehen, da sie die von den beteiligten Hochschulen erbrachten Dienste nicht leisten kann.

Die drei Pfeiler des Nachwuchsförderprogramms, nämlich

  • den Einblick in die Ausbildung zum MINT-Fachlehrer,
  • die Netzwerkbildung
  • und den Austausch unter Jugendlichen

kann die AHS nicht bedienen.
Die Gründe dafür möchte ich kurz der Reihe nach erläutern.

Ein wesentlicher Bestandteil der Hochschulveranstaltungen besteht in der Vorstellung des MINT-Lehrerberufs und -Lehramtsstudiums.
In den eigens für das MILeNa-Programm konzipierten sechs ganztägigen Hochschulveranstaltungen erhalten die Schüler einen ersten Einblick in einige allgemeindidaktische Aspekte sowie in fachdidaktische Grundlagen zur Gestaltung, Planung, Vorbereitung und Durchführung von naturwissenschaftlichem Unterricht.

Die Ausbildung unserer Grundschullehrer an der AHS erfolgt aufgrund ihrer holistischen Ausrichtung weniger fachspezifisch.
MILeNa richtet sich an Schüler, die ein „Schnupperpraktikum“ machen, bevor sie zum Naturwissenschaftslehrer ausgebildet werden.

Zur Befähigung dieser Schüler ist also eine besondere Qualifizierung nötig, die in der Form an der AHS nicht vorgesehen und daher auch nicht vorhanden ist.
Auch die weitere Ausbildung dieser naturwissenschaftlich interessierten Jugendlichen zum Sekundarschullehrer erfolgt bekanntlich nicht durch die AHS.

Hinzu kommt, dass die AHS die gewünschte Netzwerkbildung nicht in gleichem Maße wie die RWTH leisten kann.
Die ostbelgischen Sekundarschulen, die sich dem MINT-EC-Netzwerk anschließen, sollen sich mit den MINT-EC-Schulen, Vertretern aus der Wirtschaft und den beteiligten Hochschulen vernetzen.

Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, die jahrelange Expertise der RWTH in der Lehrernachwuchsförderung im naturwissenschaftlichen Bereich zu nutzen.

Darüber hinaus werden die MILeNa-Schüler in ein umfassendes Netzwerk von Gleichaltrigen mit ähnlichem Interesse am MINT-Lehrerberuf eingebunden.
Dabei stehen ihnen MINT-Lehrer der Schulen sowie Dozenten und Lehramtsstudierende der Hochschulen als Ansprechpartner zur Verfügung.
Eine Begleitung der ostbelgischen Schüler durch die AHS wäre nicht sinnvoll, da gerade der grenzüberschreitende Austausch mit den anderen Jugendlichen von Interesse ist. Deutschlandweit nehmen ca. 70 Schüler pro Jahrgang am Programm teil, in Ostbelgien wären es nur einige wenige aus einer oder maximal zwei Schulen.

Wenngleich die AHS als Partner im MILeNa Projekt ausgeschlossen ist, wäre ein ähnliches Programm zur Nachwuchsförderung im Grundschulbereich in Zusammenarbeit mit der AHS durchaus denkbar.
Dieses sollte dann nicht allein auf die MINT-Disziplinen ausgerichtet sein, sondern Schülern die Möglichkeit bieten, Einblicke in die Ausbildung zum Grundschullehrer zu gewinnen und erste Praxiserfahrungen zu sammeln.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!