Wir fragen nach! Wie sieht es mit der Digitalisierung im Unterricht aus?


 

Regierungskontrolle vom 14. September 2017 – Ausschuss III für Unterricht, Ausbildung und Erwachsenenbildung

 

Frage von Gregor FRECHES zur Digitalisierung 

 


Die digitale Welt verändert das Lernen wie kaum eine gesellschaftliche Entwicklung zuvor. Was bedeutet das für die Bildung der Zukunft? Wie können Schüler, Studenten und Pädagogen von den Möglichkeiten der Digitalisierung profitieren? Und wo ist Vorsicht geboten? Fragen nach den Folgen, Chancen und Risiken der Digitalisierung berühren den pädagogischen Alltag von der Schule über die Ausbildung und Hochschule bis hin zur beruflichen Weiterbildung.
 
Auch OSTBELGIEN muss sich dieser Herausforderung stellen, wenn wir den Bildungsstandort bzw den Wirtschaftsstandort weiterhin fördern und ausbauen wollen.
 
Für uns, die PFF (Partei für Freiheit und Fortschritt), wird dieses Thema der Digitalisierung den Weg der Zukunft ebnen. Die Vermittlung des Unterrichtes sollte aber in unseren Augen nicht nur an der vorhandenen Technik (sprich Ausrüstung) gemessen werden. Vielmehr heißt es auch hier die Lehrer mit ins Boot zu nehmen und sie durch Weiterbildungen an dieses Thema heranzuführen.
 
Daher meine Fragen an Sie, werter Herr Minister MOLLERS :

  • Wie weit ist die Digitalisierung in der Bildungslandschaft der DG vorangeschritten?
  • Wie bereitet man heute angehende Auszubildende auf die Industrie 4.0 vor?

 
PFF Digitalisierung

 

 
Antwort des Ministers:
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender, Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
die digitale Durchdringung unserer Gesellschaft ist ein rasanter und permanenter Prozess, der natürlich auch nicht vor den Schulen Ostbelgiens halt macht.
Auf der einen Seite verändert dieser Prozess die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler gravierend, auf der anderen Seite verändert sich dadurch aber auch die Vermittlung von Unterrichtsinhalten und Unterrichtsmethoden.
 
Daher sind sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch das Lehrpersonal von dieser Entwicklung betroffen.
 
Im Bildungsbereich wird der Digitalisierung auf folgenden Ebenen Rechnung getragen:
 
1. Schulmediotheken in den Sekundarschulen in Verbindung mit dem Verbund mediadg.be
 
Jede Sekundarschule Ostbelgiens verfügt über eine eigene Schulmediothek mit einem Lehrermediothekar.
 
Neben den ausleihbaren haptischen Medien (Bücher, Zeitungen, Fachzeitschriften und pädagogischen Spielen) stehen natürlich auch digitale Medien zur Verfügung.
Die Konzeption der Schulmediotheken basierte von Anfang an auch auf einer digitalen Ausrichtung in Form der PC-Arbeitsplätze in der Schulmediothek und den OPAC-Plätzen als Rechercheelement im Verbund mediadg.be.
 
Die Schülerinnen und Schüler haben in den Präsentationsräumen der Schulmediothek die Möglichkeit, Whiteboards und Beamer zu nutzen, um ihre Ergebnisse auch entsprechend präsentieren zu können.
Über WLAN-Netzwerke können auch Tablets integriert und verwendet werden.
 
Die Lehrermediothekare erhalten regelmäßige Weiterbildungen (u.a. an der AHS, im Medienzentrum Eupen, im euregionalen Medienzentrum Aachen).

Hier werden neben dem technischen Aspekten auch medienpädagogische Schwerpunkte subsumiert, die sowohl den Mehrwert der Digitalisierung in den Mittelpunkt rücken als auch auf Risiken, Gefahren und auftauchende Probleme näher eingehen
 
2. Weiterbildungen an der AHS
 
Seit Jahren werden an der Autonomen Hochschule in Eupen Weiterbildungen im Bereich der Informatik für Lehrpersonen im Primar- und Sekundarschulbereich angeboten. Diese Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrerinnen und Lehrer dienen aber nicht nur der technischen Aus- und Weiterbildung, sondern nehmen auch verstärkt die kritische medienpädagogische Seite in den Fokus, die sich mit dem verantwortungsbewussten Umgang mit modernen Medien auseinandersetzt.
 
Darüber hinaus organisieren viele Schulen in Eigenverantwortung Weiterbildungen im Informatikbereich, um das Lehrpersonal auf die digitale Herausforderung vorzubereiten. Zusätzlich zu den AHS-Weiterbildungen haben alle Lehrpersonen die Möglichkeit, an Schulungen externer Anbieter wie des „Institut de Formation Continue“ in der Französischen Gemeinschaft teilzunehmen.
 
3. Ostbelgische Schulen online
 
Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Medien kann nur erfolgen, wenn eine ausreichende technische Basis vorhanden ist.
 
Laut europäischer Richtlinie liegt dabei im Primarschulbereich die Orientierung bei einem Endgerät pro sechs Schülerinnen und Schüler.
 
Die statistische Erhebung hat für Ostbelgien gezeigt, dass diese Zahl in den meisten Primarschulen mehr als erreicht wird, für die Sekundarschulen liegt der Wert allerdings deutlich niedriger.
 
4. Professionalisierung der EDV-Infrastruktur in den Sekundarschulen
 
In den Sekundarschulen werden vorhandene Netzwerkelemente sowie Server durch professionelles Material ersetzt.
Die Konfiguration und Verwaltung dieses Materials wird externen und fachkompetenten Spezialisten anvertraut.
 
Dadurch verfügt der jetzige EDV-Verantwortliche der Schule über eine größere Zeitressource, um die Personalmitglieder bei der Digitalisierung zu unterstützen.
 
5. Lernplattform in Sekundarschulen
 
Von der Deutschsprachigen Gemeinschaft wird eine Lernplattform (Fronter) zur Verfügung gestellt.
Innerhalb der Schule ist anteilmäßig eine Lehrperson beauftragt, die Verwaltung der Lernplattform zu gewährleisten.
 
In regelmäßigen Abständen finden hier schulinterne Weiterbildungen statt.
Die Lernplattform bzw. das Learning Management System (LMS) ist ein komplexes Softwaresystem, das der Bereitstellung von Lerninhalten und der Organisation von Lernvorgängen dient.
Eine wichtige Aufgabe einer webbasierten Lernumgebung ist außerdem, die Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden zu ermöglichen.

 
6. Rahmenpläne
 
In den Rahmenplänen wird der Fokus auf den Zusammenhang von fachbezogenen und überfachlichen Kompetenzen bei der Unterrichtsarbeit gelegt.
Zu den überfachlichen zählen auch die Informations- und Medienkompetenzen.

 
Die Vermittlung dieser Kompetenzen unterstützt ebenfalls die Digitalisierung der hiesigen Bildungslandschaft.
Auch in der dualen Ausbildung hat die Digitalisierung selbstverständlich Einzug gefunden.
 
Inwiefern junge Lehrlinge und angehende Meister bereits heute mit dem Thema Industrie 4.0 in Kontakt kommen, möchte ich Ihnen anhand einiger Beispiele aufzeigen:
 
7. Einsatz von CNC-Maschinen im Metall- und Holzbereich
 
In der Berufsausbildung wird jungen Menschen bereits seit einigen Jahren das CNC- gesteuerte Arbeiten in den Bereichen Holz und Metall gelehrt.
Die Abkürzung CNC steht für „Computerized Numerical Control“, übersetzt „rechnergestützte numerische Steuerung“.
 
Dieses elektronische Verfahren zur Steuerung von Werkzeugmaschinen ermöglicht die präzise Herstellung von komplexen Werkstücken.
 
8. Digitale Lernumgebung im Kfz-Bereich
 
Die Lehrlinge im Bereich Kfz-Mechatronik sammeln im aktuellen Ausbildungsjahr erste Erfahrungen mit dem eLearning-Programm „VOCANTO“.
Die Lerneinheiten dieser Online-Plattform werden im Fachkundeunterricht eingesetzt und können von jedem Computer und Smartphone abgerufen werden.
 
Die Lernplattform beinhaltet detailgetreue 3D-Animationen mit einer interaktiven Steuerung.
 
9. Virtuelles Lernen mit Schweißsimulator
 
Seit Beginn des aktuellen Ausbildungsjahr können im ZAWM St. Vith angehende Gesellen und Meister verschiedene Schweißverfahren in virtueller Form mit Hilfe eines Schweißsimulators erlernen.
 
10. Erasmus+ Projekt „FIT for BIM“
 
Das ZAWM St. Vith ist derzeit Partner eines Erasmus+ Projektes, das den Namen „Fit for BIM“ trägt.
„Building Information Modeling“ – abgekürzt BIM – ist eine Methode zur digitalen Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Bauwerken.
 
Ausgehend vom Bausektor thematisieren die Projektpartner, wie die Digitalisierung die Bauberufe verändern wird und wie Berufsschulen digitale Kompetenzen und neue Technologien in Ausbildungsprogrammen verankern können.
 
Werte Kolleginnen und Kollegen,
die Akteure der ostbelgischen Bildungs- und Ausbildungslandschaft haben bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um junge Menschen auf die digitale Welt vorzubereiten. Sicherlich werden unsere Schulen und Ausbildungsreinrichtungen auch in den nächsten Jahren vielfältige Anstrengungen unternehmen, um die durch die Digitalisierung bedingten Risiken zu reduzieren und Chancen zu nutzen.
Ich bin gerne bereit, dafür die notwendige politische Unterstützung bereitzustellen
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.