Wie schreitet die Förderung von informell erworbenen Kompetenzen voran?!


Regierungskontrolle vom 8. Juni 2017 – Ausschuss III für Unterricht, Ausbildung und Erwachsenenbildung 

 

Frage von Gregor FRECHES zum 
Projekt „Kompetenzen anerkennen“ in Ostbelgien


 

Wir lernen nicht nur in der Schule, sondern auch

  • im Berufsleben,
  • auf einer Weiterbildung,
  • in der ehrenamtlichen Vereinsarbeit oder
  • im Rahmen von Hobbys.

Vieles von dem, was sich Menschen außerhalb der Schule aneignen, setzen sie auch in der beruflichen Laufbahn ein. Doch die auf diesem Weg erlernten Fähigkeiten werden weder erfasst, noch zertifiziert.

Sie sind nicht sichtbar, obwohl sie in vielen Fällen für Beruf und Arbeit eine große Rolle spielen. Wird beispielsweise ein Arbeitnehmer ohne formalen Berufsabschluss arbeitslos, kann er auf dem Arbeitsmarkt leicht übersehen oder unterschätzt werden.

Vor diesem Hintergrund forderte der Rat der Europäischen Union in seiner Empfehlung vom 20.12.2012 die Mitgliedstaaten auf, bis 2018 Anerkennungssysteme für informell und nicht-formal erworbene Kompetenzen zu schaffen.

Hier setzt auch das Projekt „Kompetenzen anerkennen“ an. Ziel ist es, die Weichen für ein Anerkennungssystem in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu stellen.

Parallel dazu wurde eine umfassende Bestandsaufnahme der bestehenden Validierungsansätze in der Deutschsprachigen Gemeinschaft erstellt. Am 21. Oktober 2016 fand die Auftaktveranstaltung des Projektes statt, an der sich 60 Schlüsselakteure aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft beteiligten. 2017 beschäftigt sich eine Steuergruppe damit, einen konkreten Konzeptvorschlag für die Deutschsprachige Gemeinschaft zu erarbeiten.

Meine Frage nun an Sie, werter Herr Minister Mollers :

Da es vorgesehen ist, dass sich in diesem Jahre eine Steuergruppe damit befasst einen Konzeptvorschlag zu erarbeiten, möchte ich wissen wie der aktuelle Stand ist?

Im Voraus vielen Dank für ihre Antwort Herr Minister.

 

PFF Nicht formelle Kompetenzen

Antwort des Ministers: 

 

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Werte Kolleginnen und Kollegen,

in der Tat gab es zum REK-Zukunftsprojekt „Kompetenzen anerkennen“ eine relativ große Auftaktveranstaltung am 21. Oktober 2016.
Ziel dieser Veranstaltung war,
alle betroffenen Akteure in der Deutschsprachigen Gemeinschaft über bestehende Anerkennungsansätze von bereits erworbenen Kompetenzen in Ostbelgien zu informieren,
unterschiedliche Anerkennungssysteme im In- und Ausland vorzustellen
und die Diskussion zwischen den ostbelgischen Schlüsselakteuren anzuregen.

Das transversale Thema hat insgesamt 60 Vertreter/innen aus den unterschiedlichsten Bildungssegmenten der Deutschsprachigen Gemeinschaft zusammen kommen lassen.
Auch Gewerkschaften und Arbeitgeber waren dabei.

 

Im Anschluss an die Auftaktveranstaltung wurde eine Steuergruppe gegründet, mit dem Ziel, die Weichen für ein Anerkennungssystem in Ostbelgien zu stellen.
Dazu zählt die Einigung

  • über die Gesamtphilosophie eines künftigen Validierungsprojektes,
  • über Grundprinzipien von ostbelgischen Validierungsverfahren,
  • über den ersten Sektor, der bearbeitet werden soll,
  • über die Institutionalisierung des Verfahrens,
  • und über grundlegende Qualitätsstandards

 

Es konnten 21 Vertreter der ostbelgischen Bildungs- und Arbeitswelt für die Arbeit in der Steuergruppe gewonnen werden.
Damit ein möglichst effizienter Ablauf garantiert werden kann, wurde den Teilnehmern ein detaillierter Zeit- und Themenplan mitgeteilt.

Seit Februar 2017 tagt die Steuergruppe einmal monatlich (2,5 Stunden pro Sitzung) bis zum Juli 2017.

Methodisch wird so vorgegangen, dass zunächst einmal die Ergebnisse der letzten Sitzung diskutiert werden.
Es folgt ein kurzes Inputreferat zum Tagesthema.

Anschließend werden gezielte Fragen in Kleingruppen bearbeitet.

Die Sitzungen schließen mit der Vorstellung der Ergebnisse im Plenum ab.

Auf diese Weise wurden bereits folgende Themen bearbeitet:

  • Welche Ziele soll die Validierung/Anerkennung von nicht-formal und informell erworbenen Kompetenzen in Ostbelgien verfolgen?
  • Identifizierung, Dokumentierung, Bewertung und Zertifizierung – Gestaltung der 4 Phasen eines Validierungssystems in Ostbelgien.

In den nächsten Sitzungen wird die Frage geklärt, mit welchem Sektor ein Pilotprojekt gestartet werden soll, und es wird der Frage der Institutionalisierung nachgegangen.
Bei Bedarf werden im September und Oktober zwei zusätzliche Sitzungen einberufen.

Der Abschlussbericht der Steuergruppe wird im 2. Halbjahr 2017 zur Verfügung stehen.

Alle Berichte und Meilensteine des Projektes befinden sich auf www.ostbelgienbildung.be, Rubrik „Weiterbildung“ (http://www.ostbelgienbildung.be/desktopdefault.aspx/tabid-5169/8971_read-49516/ )

Darüber hinaus wird sich Ausschuss III ja am 29. Juni 2017 in seiner Sitzung mit dem Stand der verschiedenen REK-Projekte befassen, so dass die Abgeordneten dann die Möglichkeit haben, der Projektverantwortlichen alle Fragen zu stellen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!