PDG verabschiedet Resolution zur Mehrsprachigkeit


Freches: „Mehrsprachigkeit ist wichtiges Kapital“


 

In Ostbelgien sollen die drei belgischen Landessprachen in Zukunft noch besser gefördert werden. Das hat das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft in seiner Sitzung vom Montag, den 29. Mai einstimmig beschlossen.

 

 

MV

 

Wir haben das Privileg, in einem Land mit drei Muttersprachen groß zu werden“, sagt Gregor Freches, Vorsitzender der PFF-Fraktion im PDG. „Wir sehen die drei Landessprachen nicht als Problem oder als Hindernis, sondern als Chance, die es zu nutzen gilt. Denn in unserer globalisierten Welt ist die Mehrsprachigkeit längt unerlässlich geworden.

 

In der von der PFF-Fraktion initiierten Resolution fordert das Parlament die Regierung der DG dazu auf, ein ganzheitliches Konzept zur sprachlichen Förderung zu erarbeiten. „Auf dem Grundstein, der im Kindergarten und Primarschule gelegt wird, muss man in der Sekundarschule und auch in der beruflichen Ausbildung oder dem Studium aufbauen“, so Freches. „Das geht von Pilotprojekten bilingualer Kindergarten- und Schulklassen über entsprechende Austauschprogramme bis zu einer fundierteren sprachlichen Ausbildung der Lehrkräfte an der AHS.“

 

Doch auch der Mittelstand dürfe bei den Überlegungen nicht außen vor gelassen werden, so Freches weiter. Die Mehrsprachigkeit sei heute mehr denn je ein wichtiges Kapital auf dem Arbeitsmarkt. „Besonders im Hinblick auf die Förderung des ‚Wirtschaftsstandortes OSTBELGIEN‘ müssen wir den Jugendlichen dieses Kapital mit auf den Weg geben. Von der Bildung hin zur Beschäftigung: Auf diesen Leitsatz müssen wir den Fokus legen.

 


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Sprechen Sie belgisch?!

Vielleicht ist Ihnen das auch schon widerfahren: Im Urlaub oder auf Geschäftsreise begegnen Sie einem deutschen Touristen. Sie kommen ins Gespräch und schnell stellt sich die Frage nach Ihrer Herkunft. Bei der Antwort „Belgien“ kommt die Gegenfrage meist wie aus der Pistole geschossen: „Sprechen Sie denn auch belgisch?“

Wenn es um die Landessprache geht, ernten wir Belgier von unseren Nachbarn teils neidvolle Blicke, teils Verwunderung und teils Unverständnis. Unverständnis darüber, dass wir in einem so kleinen Land drei Sprachen lernen müssen. Verwunderung darüber, dass wir in einem so kleinen Land drei Sprachen lernen können. Und Neid, weil wir in einem so kleinen Land drei Sprachen lernen dürfen.

Wir haben das Privileg, in einem Land mit drei Muttersprachen groß zu werden. Drei Sprachen, die allesamt ihren Platz haben. Drei Sprachen, die uns einzigartig machen. Um diese Sprachen in Ostbelgien zu fördern und zu stärken, hat die PFF die Initiative für einen Resolutionsvorschlag zur Förderung der Mehrsprachigkeit ergriffen. Wir sehen die drei Landessprachen nicht als Problem oder als Hindernis – sondern als Chance.

Dazu gehören nicht nur Deutsch und Französisch, sondern auch Niederländisch. Eine Sprache, die unserer Meinung nach in der Vergangenheit nicht ihre verdiente Beachtung bekommen hat. Selbst wenn Französisch aufgrund der Zugehörigkeit der DG zur Wallonischen Region zurecht den Platz als erste Fremdsprache einnimmt, so darf Niederländisch als Muttersprache der größten belgischen Sprachgruppe keinesfalls vernachlässigt werden.

Auf die Grundsteine in Kindergarten und Primarschule muss man aufbauen: in Sekundarschulen, aber auch in der beruflichen Ausbildung oder im Studium.
Deswegen ist es der PFF-Fraktion besonders wichtig, auch den Mittelstand in das Konzept der sprachlichen Förderung einzubinden. Mehrsprachigkeit ist mehr denn je ein Schlüssel zum beruflichen Erfolg und keine Floskel. Politik und Wirtschaft sind gefordert, hier wichtige Sensibilisierungsarbeit zu leisten.

Von der Bildung hin zur Beschäftigung: Auf diesen Leitsatz müssen wir mehr denn je den Fokus legen.

Bedanken möchten wir uns für die angenehme fraktionsübergreifende und immer zielgerichtete Zusammenarbeit. Dies hat unseren Textvorschlag weiterentwickelt und den letzten Schliff gegeben. Von einer solch pragmatischen Arbeitsweise kann man in anderen Parlamenten leider nur träumen.

 

Gregor FRECHES, Fraktionsvorsitzender der PFF im PDG

Jenny Baltus-Möres, Abgeordnete der PFF-MR im Wallonischen Parlament