Ein Hund im Schulalltag: ein Projekt auch für Inklusionsschulen?


Regierungskontrolle vom 11. Mai 2017 – Ausschuss III für Unterricht, Ausbildung und Erwachsenenbildung

 

Frage von Gregor FRECHES zum Thema
Eine tierisch gute Kollegin


 

Im Grenz-Echo unter der Rubrik Journalist für einen Tag, fiel unsere Aufmerksamkeit auf folgenden Titel: Eine tierisch gute Kollegin.

 

In der Einleitung zum besagten Artikel, konnte man dann lesen, dass die Städtische Grundschule Unterstadt EUPEN, neue Wege geht. Denn seit Januar 2017 setzt das Kollegium eine Hündin im Schulalltag ein. Dabei fungiert der Vierbeiner als „Eisbrecher“ oder sogar als Lebendiges Anschauungsmaterial im Biologieunterricht.

 

Meine Fragen dazu :

• Handelt es sich hier um ein einmaliges Projekt, wenn ja wie wurde es auf die Beine gestellt.
• Wie stehen Sie als Bildungsminister diesem Projekt gegenüber?

 

Vielen Dank für Ihre geschätzte Antwort!

 

PFF Hund

 

Antwort des Bildungsministers: 

 

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,

Werte Kolleginnen und Kollegen,

 

bei der hundegestützten Pädagogik, in der Wissenschaft als Kynopädagogik bezeichnet, handelt es sich nicht um ein einmaliges Projekt in Ostbelgien.
Im Zentrum für Förderpädagogik in Eupen wird ein Hund und in der Gemeinsamen Grundschule Bütgenbach sowie bei Integrationsprojekten werden seit einigen Jahren mehrere ausgebildete Hunde eingesetzt.

Es spricht auch nichts dagegen, die Hunde in Sekundarschulen einzusetzen.

 

Es ist allerdings wichtig, eine Reihe von Voraussetzungen für Hunde und Pädagogen zu beachten.
Vor der kynopädagogischen Ausbildung müssen die Welpen- und Junghundegruppen eine Hundeschule besuchen.

Die Hunde werden selbstverständlich regelmäßig tierärztlich untersucht und vorschriftsmäßig geimpft.

Die begleitenden Pädagogen müssen ebenfalls eine entsprechende Ausbildung absolvieren, so beispielsweise am Institut für Interspezifische Pädagogik in Deutschland.

Für die Hunde ist diese Arbeit sehr anstrengend.
Pro Woche sollten sie nicht länger als 6 bis 7 Stunden aktiv eingesetzt werden.
Den Kindern wird in der Arbeit beigebracht, dass Hunde selbstständig „denkende“ und fühlende Lebewesen sind.
Sie haben Grenzen und Bedürfnisse, die eingehalten werden müssen.
Diese im Blick zu behalten ist eine große und verantwortungsvolle Aufgabe für die Hundehalter.

Zwischen ihnen und dem Hund muss es eine feste Bindung, Beziehung und Vertrautheit geben.

 

Ich zitiere aus den Erfahrungen einer Kynopädagogin:

„Die Arbeit ist wunderbar, aber auch zeitintensiv und anstrengend. Sie ist verantwortungsvoll und breit gefächert.
Sie erfordert einen gewissen Idealismus und eine große Begeisterung. Nur dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Kinder eine große Bereicherung erleben und die Hunde auch ihre Freude haben.“ (Zitat Ende)

Im Unterricht können Hunde ganz unterschiedlich eingesetzt werden:

  • z.B. als Schulbegleithund: Der Hund ist zeitweise in der Klasse derKlassenleiterin (die normalerweise auch die Hundehalterin ist) und verbessert dadurch die Lernatmosphäre, reduziert Stress und fördert die Verantwortungsbereitschaft.
  • z.B. im Kynopädagogik-Projekt: Der Hund arbeitet aktiv mit der Kynopädagogin über einen bestimmten Zeitraum, z.B. während 4 bis 8 Wochen, mit einem Kind, einer Gruppe oder einer Klasse. Dabei können unterschiedliche Ziele verfolgt werden, die vorher mit der jeweiligen Klassenleiterin besprochen wurden.
  • z.B. als Schulhund: Der Hund wird von einer Lehrerin oder Therapeutin ganzjährig in einer Schule zur individuellen Förderung von einzelnen Kindern eingesetzt.Vor einem Projekt lernen die Kinder die wichtigsten Regeln im Umgang mit dem Hund kennen.
    Dabei wird auf ängstliche Kinder besonders gut geachtet.
    Auch sollten die Eltern natürlich vorab über diese Projekte informiert werden.

    Durch die Arbeit mit dem Hund werden unter anderem soziale Kompetenzen, Selbstvertrauen, Durchsetzungsvermögen, Übernahme von Verantwortung, Verbesserung der Teamfähigkeit, Konzentration, eine klare Körpersprache, Raumorientierung und Koordination gefördert.

Als Bildungsminister stehe ich diesem Projekt positiv gegenüber, vertrete aber die Meinung, dass solche Initiativen von der Basis her wachsen müssen, wenn sie erfolgreich sein sollen, und den Schulen nicht von oben herab diktiert werden können.