Am Tierschutz lässt sich der Fortschritt einer Gesellschaft erkennen

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Eins vorweg: Tierschutz geht nicht mit einem bedingungslosen Fleischverzicht einher. Abgesehen davon, dass der fleischverarbeitende Sektor vielen Menschen einen Arbeitsplatz gibt, bedeutet Fleisch – in Maßen und richtig zubereitet – für viele Menschen Genuss, es liefert wichtige Nährstoffe und trägt zur vollwertigen Ernährung bei. Fleischkonsum generell abzuwerten, ist definitiv das falsche Signal und es sollte immer noch jedem freistehen, ob er Fleisch isst oder nicht. Allerdings sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Tiere so wenig wie möglich leiden

 

Letzten Freitag wurde in Namur im zuständigen Ausschuss einem Dekret von MR, cdH und PS zugestimmt, welches das Schlachten ohne vorherige Betäubung verbietet. Selbst wenn Tiere vor der Schlachtung in der Regel betäubt werden müssen, sah das Gesetz bislang eine Ausnahme für rituelle Schlachtungen von Rindern und Schafen (muslimisch „halal“ und jüdisch „koscher“) vor. Ab September 2019 gilt diese Ausnahme nicht mehr: Das Schächten wird nicht mehr legal sein und unter Strafe gestellt.

 

Der Aufschrei, dass dies gegen die Religionsfreiheit sei, wird wohl bald verhallen: Rituelle Schlachtungen sind nur sehr bedingt von der Religion vorgeschrieben und stattdessen aus den jeweiligen Traditionen herzuleiten. Zudem ist die nun anvisierte Gesetzgebung im Einklang mit europäischem Recht.

 

Es geht hier um Tierschutz – nicht mehr und nicht weniger. Es geht nicht um einen Kampf der Kulturen oder der Religionen à la wir auf der einen, die auf der anderen Seite

 

Auch geht es hier nicht vorrangig um wirtschaftliche Interessen, selbst wenn wir diese niemals gänzlich außer Acht lassen dürfen. Es kann z.B. nicht angehen, dass Schlachtbetriebe aufgrund dieses Dekretes weite Teile ihrer Belegschaft entlassen müssen.

 

PFF WDP Schlachten

 

 

Gerade deshalb gilt es, den Sektor bei diesem Prozess zu begleiten und bestmöglich darauf vorzubereiten, damit die notwendigen Vorkehrungen seitens der Schlachtbetriebe zeitnah getroffen und negative Auswirkungen verhindert werden können.

 

Natürlich beschränkt sich der Tierschutz nicht auf dieses Thema und es bleibt weiterhin viel zu tun. Die Herausforderung liegt v.a. darin, den Tierschutz im Einklang mit der Wirtschaft weiter zu erhöhen. Nur wenn uns dies gelingt ist damit tatsächlich allen gedient.

 

Jenny Baltus-Möres,

Abgeordnete der PFF-MR im Wallonischen Parlament