Digitales Geschichtsbuch mBook: bald Geschichte oder doch Erfolgsstory?


Regierungskontrolle vom 13. April 2017 – Ausschuss III für für Unterricht, Ausbildung und Erwachsenenbildung

 

Frage von Gregor FRECHES
  zum digitalen Schulbuch mBook


 
Seit dem 1. September 2013 ist das auf die DG zugeschnittene mBook in den ostbelgischen Klassenräumen im Einsatz. Unter dem Motto « Geschichte denken statt pauken » bildet das multimediale Schulbuch die Grundlage des Geschichtsunterrichts der zweiten und dritten Stufe im Sekundarschulwesen unserer Gemeinschaft. Von der Antike bis zur Steinzeit – alle Epochen werden behandelt und ein roter Faden wird durch die historischen Themengebiete gelegt. Auch und erst recht leistet der digitale Lern- und Lehrweg einen wesentlichen Beitrag in der Umsetzung eines kompetenzorientierten Unterrichtes für das Fach Geschichte. Die Auszeichnung „Schulbuch des Jahres“ ging unter anderem an das digitale Schulbuch.

 

Nichtsdestotrotz ist die praktische Arbeitsweise mit dem mBOOk in den Fokus eines GrenzEcho-Artikels geraten, der im Rahmen der Aktion „Journalist für einen Tag“ seinen Weg in die Zeitung fand. Der Titel „M wie Mist“ gab umgehend und unmissverständlich den Ton an. Die veraltete Technik, die inkonsequente Umsetzung des Konzeptes sowie das irreführende Spiel zwischen Bildschirm und Blättern gerieten in die Kritik.
 
Meine Frage nun hierzu:

Ist diese Kritik in den Augen der Regierung berechtigt?
Welche Erfahrungswerte kann man aus der bald vierjährigen Nutzung ziehen?

 
 

PFF unterrichtsbuch

 
 
Antwort des Bildungsministers:
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
 
Werte Kolleginnen und Kollegen,
 
 
Das mBook als elektronisches Schulbuch in Ostbelgien, die Lernplattform fronter, auf der sich das mBook befindet, und die in den Schulen befindlichen Tablet-Kits werden häufig miteinander vermischt.
Durch diese fehlende Differenzierung werden mögliche Probleme beim Zugriff auf das elektronische Schulbuch in der Regel ausschließlich dem mBook angelastet.
 
In den meisten Fällen sind diesbezügliche Aussagen verwirrend und spiegeln die Realität nicht korrekt wider.
Hier einige erläuternde Beispiele, um diese Problematik zu verdeutlichen:
Ein nicht aufgeladenes Tablet führt dazu, nicht auf das mBook zugreifen zu können, mit dem eigentlichen mBook hat das jedoch nichts zu tun.
 
Ein vergessener Zugangscode auf die Lernplattform führt auch dazu, nicht auf das mBook zugreifen zu können, aber auch hier ist das mBook nicht die Fehlerquelle.
Eine schlechte Internetverbindung findet ihre Ursache ebenfalls nicht im mBook, sondern in der IT-Infrastruktur vor Ort.
 
Die Erstellung des mBooks in 4 Bänden vom 3.-6. Sekundarschuljahr hat einen finanziellen Rahmen von 50.000 Euro umfasst; die Anschaffung der Tablet-Kits in Höhe von rund 240.000 Euro hat nicht direkt etwas mit dem mBook zu tun, wird aber immer mit im Gesamtpreis für das mBook genannt.
 
Die Auslastung der Tablets für den Geschichtsunterricht, insofern sie im Geschichtsunterricht eingesetzt werden, liegt bei ca. 60 %, also können die Geräte zu ca. 40% in anderen Fächern genutzt werden und werden es auch. (z.B. Geografie, Biologie, Englisch)
 
Das Pilotprojekt mBook ist mit einer fünfjährigen wissenschaftlichen Langzeitstudie der Universität Eichstätt-Ingolstadt, dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und der Universität Tübingen verbunden.
 
Diese Studie endet im Sommer 2018.
 
Jährlich findet diesbezüglich eine Testung des 3.-6. Jahres in allen Sekundarschulen statt.
Der geschaffene Zugang über die Lernplattform zum mBook war eine Voraussetzung, damit einerseits das Nutzungsverhalten der Schüler individuell im mBook analysiert werden kann, andererseits aber die Schülerinnen und Schüler sich nicht mehrfach anmelden müssen, um zum mBook zu gelangen.
Dafür wurde eine Single Sign-on Schnittstelle geschaffen (Einmalanmeldung) damit der Benutzer nach einer einmaligen Authentifizierung an seinem Arbeitsplatz individuell auf das mBook zugreifen und eigene individuelle Daten hier auch speichern kann.
Zum jetzigen Zeitpunkt liegen noch keine konkreten Zwischenergebnisse der Studie vor.
Von pädagogischer Seite ist gegen eine Mischung von digitalen Medien und Ausarbeitungen in Papierform absolut nichts einzuwenden.
 
Die Basis, auf der das mBook in Ostbelgien eingeführt wurde, ist der kompetenzorientierte Rahmenplan Geschichte für die 2. und 3. Stufe des allgemeinen und technischen Übergangs in der Sekundarschule, der ab September 2013 gültig ist. Das mBook stellt somit ein Instrumentarium dar, dass die Lehrpersonen bei der Umsetzung des Rahmenplanes unterstützen soll.
 
Hierbei steht natürlich die Methodenvielfalt im Mittelpunkt, die auf der Basis von digitalen (audio-visueller Ebene) und haptischen (Quellen in Originalformaten bzw. auf gedruckter Ebene) Medien organisiert sein sollte.
Eine ausschließliche und permanente Verwendung des mBooks würde die Unterrichtsmotivation der Schülerinnen und Schüler genauso ausbremsen, wie ein ständiger Frontalunterricht.
 
Die gesunde Mischung aus mehreren Elementen ist neben der Arbeit der Lehrperson (Rolle der Lehrperson ) ein Garant für guten Unterricht.
 
Die Umstellung auf einen kompetenzorientierten Geschichtsunterricht bleibt auch mit der Einführung der Rahmenpläne und den dazu begleitenden Implementierungen ein Prozess, der sowohl von Seiten der Lehrpersonen als auch von Seiten der Schülerinnen und Schüler hin und wieder auch auf Widerstand stößt.
Eine historische Entwicklung – wie sich beispielsweise ein Staat oder eine Gesellschaft entwickelt – kompetenzorientiert zu bearbeiten, zu analysieren und zu durchdringen, verlangt von den Schülern mehr Eigenleistung und eigenverantwortliche Arbeit ab, als ein pures Auswendiglernen von historischen Fakten.
Natürlich gibt es auch eine Reihe von Schülern, die sich nach dem guten alten Frontalunterricht zurücksehnen, wo der Lehrer die Lehrveranstaltung durchgeführt hat und der Schüler nur zuhören und auswendig lernen musste.
Das mBook ist hier in diesem Bereich eine kompetenzorientierte Herausforderung, die den Lernenden mehr abverlangt.
Die digitale Durchdringung unserer Gegenwart ist offensichtlich, das mBook trägt dem in den Sekundarschulen Ostbelgiens Rechnung.
 
Wo ein neuer Weg beschritten wird, da ist das Auftreten von Problemen faktisch vorbestimmt.
Hier gibt es sicher kein Schönreden, auch das mBook hat in der Vergangenheit Schwächen offenbart, die in gemeinsamer Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Universität, den Lehrpersonen vor Ort und dem IT-Beauftragten des Ministeriums behoben worden sind oder an denen gearbeitet wird.
 
Der Vorteil des digitalen Geschichtsbuches liegt dabei auf der Hand:
 
Ergänzungen, Aktualisierungen und Veränderungen können hier viel einfacher realisiert werden, als bei einer gedruckten Version eines Geschichtsbuches.
 
An dieser Stelle gehe ich gerne auf die Frage von Herrn Mertes ein, inwieweit die Regierung weiter an dem Projekt festhält:
 
Das Forschungsprojekt zum mBook läuft bis zum Sommer 2018.
 
Bis dahin wird an diesem Projekt gemeinsam gearbeitet und festgehalten.
 
Die zahlreichen Schulbesuche durch die Schulinspektion, durch die IT-Verantwortlichen und pädagogische Sonderbeauftragte des Ministeriums und durch Frau Prof. Schreiber der Universität Eichstätt-Ingolstadt haben eins deutlich hervorgehoben, nämlich dass die positiven Aspekte des Projektes mBook in Ostbelgien gegenüber den Problemen eindeutig überwiegen.
 
Kritik und Probleme nehmen wir sehr ernst und arbeiten dann gemeinsam daran.
 
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.