„Schule im Aufbruch!“

„Schule im Aufbruch?!“ – tatsächlich?! Nun Veränderung ist uns Liberalen zufolge oftmals die Gelegenheit Dinge zu verbessern und im Rahmen des Ausschusses III für Unterricht, Ausbildung und Erwachsenenbildung wurde uns am 22. Dezember 2016 das Konzept „Schule im Aufbruch“ vorgestellt, welches uns sehr angesprochen hat. Hierbei handelt es sich um eine Initiative, die in Berlin gegründet wurde und unterdessen ebenfalls in anderen Ländern Europas, wie etwa Österreich, Polen und zu einem Bruchteil in Deutschland, seine Anwendung findet. Das Kernziel für eine Gute Gesunde Schule der Zukunft besteht aus einer Komplett-Transformation des schulischen Systems und der Nutzung einer modernen Lern-und Kognitionspsychologie.

Das bedeutet nun nicht, dass wir alles auf den Kopf stellen möchten. Es bedeutet nur, dass gewisse Methoden veraltet sind. Dazu gehört u.a.  das von den Referenten als solches bezeichnete „ Bulimie-Lernen“. Dieses steht für, um nur ein Beispiel zu nennen, das aktuelle Lehr-und Lernverhalten bestehend aus „stopfen, auskotzen und vergessen“.  Den Gastreferenten zum Thema „Schule im Aufbruch“ zufolge sollen die Kinder, um auf den Berufsalltag und das Leben bestens vorbereitet zu werden, vor allem lernen, sich eigenständig mit Problemen zu befassen und lernen durch Einsatz von Kopf und Kreativität sowie Selbstständigkeit eine Lösung zu finden – im Gegensatz zum puren auswendig lernen. Es bedürfe keiner weiteren Reformen „innerhalb der Box“, sondern einer Komplettveränderung der Box selbst.

Uns, die PFF, hat der Vortrag im AIII vom 22.12.2016 sehr überzeugt.

Folgende Frage stellte Gregor FRECHES vor diesem Hintergrund an Herrn Minister Harald Mollers:

Inwiefern kann eine Transformation des Lehr-und Lernverhaltens in der DG stattfinden, ohne zu überfordern?

 

 

 

GF-Schule-Aufbruch-12.01.2017

 

Im Folgenden nun die Antwort des Ministers, Harald MOLLERS:

 

leider konnte ich an der Sitzung vom 22. Dezember 2016 nicht teilnehmen, bin aber umfassend über die Vorstellung informiert worden.

Des Weiteren habe ich am 23. Januar die Gelegenheit, Frau Rasfeld, die ja am Ursprung der Initiative „Schule im Aufbruch“ in Berlin stand, zu einem persönlichen Gespräch zu treffen, an dem auch Vertreter aus dem Ministerium und der AHS teilnehmen werden.

 

In Ostbelgien gibt es ebenfalls seit einigen Jahren die Initiative „Schule im Aufbruch“, die eng mit dem Bildungswerk Aachen zusammenarbeitet.

Einige Jahre lang ist es eher still um diese Initiative geblieben, aber seit dem vergangenen Schuljahr nehmen auch Lehrerinnen und Lehrer aus der DG an den intensiven Weiterbildungen mit Frau Rasfeld in Aachen teil; zwei Schulen – eine im Norden und eine im Süden – werden zudem in ihrer Schulentwicklung von Moderatoren des Bildungswerks Aachen eng begleitet.

 

Es gibt aber nicht nur diesen Weg der Transformation des Lehr- und Lernverhaltens.

 

So werden ab  März 2017 sechs Schulen aus der DG an einem Reformprozess teilnehmen, der den Titel „Heterogenität als Chance im Unterricht nutzen!“ trägt. Dieser Reformprozess wird während vier Jahren von den Schweizer Bildungsexperten Norbert Landwehr und Michele Eschelmüller begleitet.

Zwischen den Ausbildungsmodulen mit den Schweizern werden die Schulen von den Schulentwicklungsberatern unterstützt und begleitet.

Auf dieses Projekt werde ich in Frage 4 von Kollegin Franzen näher eingehen.

Auch in diesem Prozess geht es um veränderte Lehr- und Lernformen, die ohne Strukturveränderungen nicht zu bewältigen sind, wie beispielsweise

  • Organisation von schülerzentriertem Unterricht,
  • Formen des kooperativen Lernens,
  • Individualisiertes Lernen,
  • Einsatzfelder des Lerncoachings,
  • Bewerten und Beurteilen in einem individualisierten Unterricht,
  • Planung, Steuerung und Moderation von Entwicklungsprozessen unter Einbezug des Kollegiums.

 

Nun aber zu Ihrer Frage!

Inwiefern kann eine Transformation des Lehr-und Lernverhaltens in der DG stattfinden, ohne zu überfordern?

 

Die meisten Menschen reagieren auf einen Wandel mit Angstgefühlen, denn Wandel verändert das bisherige vertraute Umfeld und birgt Unsicherheiten.

Die daraus resultierenden Ängste führen zu oftmals unbewussten Abwehrmechanismen, um die bestehende Struktur zu bewahren.

 

Ich bin mir bewusst, dass die Politik solch eine Reform NICHT verordnen kann!

Solche grundlegenden Maßnahmen der Organisationsentwicklung, in deren Zentrum die Unterrichtsentwicklung steht, bedingen auch veränderte  organisationale Strukturen und Personalentwicklung; solche Prozesse müssen von unten wachsen und brauchen Zeit.

Sie setzen nicht nur  eine starke Schulleitung voraus, sondern auch hochengagierte mutige Teams und tatkräftig mitdenkende Eltern – allesamt Voraussetzungen, die an vielen Stellen in der DG bereits erfüllt werden.

Die Politik muss die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und die Lernenden, denn ALLE Beteiligten werden in solchen Prozessen zu LERNENDEN, unterstützen, diesen Weg der Transformation erfolgreich zu gehen.

Nicht alle Schulen können zur gleichen Zeit den gleichen Weg gehen.

 

Das Grundlagendekret von 1998 bietet den Schulen bereits jetzt einen großzügigen Rahmen, Schule anders zu gestalten.

Diese Möglichkeiten werden zurzeit aus unterschiedlichsten Gründen noch nicht voll ausgeschöpft.

Deshalb möchte ich die Schulen ermutigen, neue Wege zu gehen, damit sie den heutigen Anforderungen gerecht werden können, ohne permanent überfordert zu sein.

Diesen Anforderungen können Schulen  aber nur im Team – als Schulgemeinschaft – gerecht werden, da der „Lehrer als Einzelkämpfer“ den Umgang mit Heterogenität nicht mehr bewältigen kann.

 

Auch den Rahmenplänen, in denen der kompetenzorientierte Unterricht verankert ist, liegt ein verändertes Verständnis von Lehren und Lernen zugrunde.

Ich zitiere:

„Guter Unterricht ist ein Unterricht, in dem mehr gelernt als gelehrt wird. Ein klar strukturierter Unterricht, eine hohe Klassenführungskompetenz, eine gezielte Methodenvielfalt, eine wirkliche Schülermotivierung, ein gutes Lernklima und eine effiziente Zeitnutzung sind wichtige Voraussetzungen, damit das eigenverantwortliche und selbstständige Lernen im Unterricht optimal gefördert werden kann.

Kompetenzorientiert unterrichten heißt, dass der Schüler im Zentrum des Unterrichtsgeschehens steht. Schüler sollen dabei zunehmend selbst Initiative und Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Dies setzt voraus, dass Nützlichkeit, Sinn und Anwendbarkeit schulischen Lernens für Schüler ersichtlich sind.“

 

Die Rahmenbedingungen bzw. die Voraussetzungen für Reformprozesse sind somit bereits in großem Umfang gegeben.

Die Bildungsverantwortlichen haben nun die Verpflichtung, die Schulen, die sich auf den Weg machen möchten, bestmöglich  in ihrem Transformationsprozess zu unterstützen.