Inklusion – Lernen fürs Leben

Im BRF-Artikel von Montag, den 23. Mai 2016, wurde das belgienweite, einzigartige Konzept der Gemeinsamen Schule Bütgenbach vorgestellt, an der Regelschüler und Kinder mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung gemeinsam unterrichtet werden. Unser Fraktionsvorsitzender, Gregor FRECHES, betonte in der heutigen Regierungskontrolle von Donnerstag, den 9. Juni 2016, dass dieses Konzept ausgeweitet werden sollte, da es ein selbstbestimmtes Leben von Beginn an fördert. Im Folgenden der Wortlaut der Frage des Gemeinschaftsabgeordneten zum Nachlesen, sowie die Antwort des Ministers.

(Den Livestream zur Regierungskontrolle gibt es unter pdg.be/ PDG TV)

Im BRF-Artikel von Montag, den 23. Mai 2016, ging es um die Gemeinsame Schule Bütgenbach, an der Regelschüler und Kinder mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung gemeinsam unterrichtet werden. Dieses Konzept ist belgienweit das einzige, welches in der Deutschsprachigen Gemeinschaft stattfindet.

Schulen sollen die Kinder auf das Leben und den Einstieg in die Arbeitswelt vorbereiten. Dabei sollte man den Aspekt der Inklusion nicht außer Acht lassen. Denn die Inklusion, die darauf abzielt allen Menschen ungeachtet ihrer Beeinträchtigung die Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen, ist ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag.

Zurzeit befinden sich 330 Personen mit einer Beeinträchtigung in einem dauerhaften Beschäftigungsverhältnis, was einen Erfolg der Inklusion im Bereich der Beschäftigung darstellt. Jedoch sollten weitere Betriebe für dieses Thema sensibilisiert werden, um weiteren Personen mit einer Beeinträchtigung die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Dies fängt schon früh in der Schule an, indem alle Schüler in der Gemeinsamen Schule Bütgenbach zusammen lernen und Hemmschwellen überwunden werden. Das Selbstwertgefühl der Schüler mit Beeinträchtigung wird gesteigert, aber auch die Regelschüler werden mit Beginn ihrer Schulzeit mit dem Thema „Inklusion“ konfrontiert und entwickeln einen selbstständigen Umgang mit der Andersartigkeit.

 

Meine Frage an Sie Herr Minister ist nun Folgende:

Ziehen Sie es in Erwägung dieses Konzept auch auf andere Schulen auszuweiten, um das Thema Inklusion auch langfristig im Unterrichtswesen zu verankern?

 

Gregor-Freches

Die Antwort des Ministers für Bildung und wissenschaftliche Forschung, Harald Mollers, nun im Folgenden zum Nachlesen:

 

Das Thema „Inklusion“ ist mit dem Inkrafttreten des Dekretes über das Zentrum für Förderpädagogik zur Verbesserung der sonderpädagogischen Förderung in den Regel- und Förderschulen sowie zur Unterstützung der Förderung von Schülern mit Beeinträchtigung, Anpassungs- oder Lernschwierigkeiten in den Regel- und Förderschulen am 11. Mai 2009 zu einem der Schwerpunkte der Bildungspolitik der DG geworden.
Im Mittelpunkt steht immer das Leitbild „Jeder Schüler ist ein Förderschüler und jeder Lehrer ist ein Förderlehrer“.
Inklusion zielt auf das „Leben, Lernen und Handeln“ aller Schüler in Regelschulen ab, also auch von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf.
Dabei werden die Besonderheiten und die individuellen Bedürfnisse eines jeden Kindes so weit wie möglich beachtet.
Bereits jetzt wird die Integration ab dem Kindergartenalter angeboten und in vielen Grund- und Sekundarschulen organisiert.
Bereits jetzt verfolgen wir das Ziel, möglichst viele Schüler wie möglich in Regelschulen zu integrieren.
Dies unterstütze ich nicht nur, sondern fordere es auch ein.
Vordiesem Hintergrund habe ich die notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt, damit alle Schüler optimal gefördert werden können.
Hier setzen wir ganz klar die UN-Konvention über die Rechte der Menschen mit einer Beeinträchtigung um, indem wir die Teilhabe und Unterstützung aller sicherstellen.
Vor diesem Hintergrund haben wir zuerst die hochschwellige Förderung und dann die niederschwellige Förderung auf den Weg gebracht:
  • bei der Förderung im niederschwelligen Bereich werden Schüler mit einem minimalen bis gemäßigten besonderen Förderbedarf durch Angebote des förderpädagogischen Grundangebots der Regelschulen unterstützt.
    Hierfür werden der Schule kollektive Ressourcen zugeteilt, unter anderem die Förderpädagogen.
    Die schulinterne Verteilung dieser Ressourcen liegt in der Verantwortung der jeweiligen Einzelschule bzw. des jeweiligen Schulträgers.
  • bei der Förderung im hochschwelligen Bereich können Schüler mit hohem besonderen Förderbedarf, die selbst mit der zusätzlichen förderpädagogischen Unterstützung des niederschwelligen Bereichs im Regelunterricht nicht ihrem Bedarf entsprechend gefördert werden können, zusätzliche Integrationsmaßnahmen in Anspruch nehmen.
    Um in den Genuss dieser Förderung zu kommen, muss sonderpädagogischer Förderbedarf beim Schüler vorliegen.

 

Darüber hinaus werden Nachteilsausgleichsmaßnahmen (ab 2017) und Notenschutz (ab 2018) ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Inklusion sein.
Neben all diesen Maßnahmen soll vor allem die Umsetzung des sogenannten „Campus- Gedankens“ den Weg zur Inklusion weiter ebnen.
Neben der Campussituation in Eupen (ZFP-SGU- ECEF-AHS), derjenigen in Bütgenbach (ZFP-GS Bütgenbach), bei der Schüler mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam unterrichtet werden, soll auch die bestehende Kooperation zwischen dem ZFP und Grundschulen in St. Vith neu überdacht werden und in einen inklusiven Campus mit Standort St. Vith münden.
So verfolgt die Regierung langfristig das Ziel, die inklusive Bildung weiter auszubauen.
Jedoch ist nicht angedacht, das Konzept einer Schule wie das der Gemeinsamen Grundschule Bütgenbach auf alle anzuwenden.
Vielmehr sollen den Schulen optimale Rahmenbedingungen geschaffen werden, um aus Eigeninitiative entsprechend der jeweiligen Schulkultur eigene Visionen zu entwickeln und diese im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten gemeinsam umzusetzen.