Gewalt gegenüber Lehrpersonen

In einem Artikel von De Standaard von Freitag, den 25. März 2016,  ging es um das Thema „Gewalt gegen Lehrpersonen“ – « ein Thema, von welchem man nicht oft hört, welches jedoch Bestand hat und somit nicht tot geschwiegen werden sollte! », so Gregor Freches, der Fraktionsvorsitzende der PFF, in der Regierungskontrolle am Parlament der DG, von Donnerstag, den12. Mai 2016.

 

In besagtem Artikel ging es um einen Lehrer aus Flandern, welcher Opfer von Gewalt wurde, als er seinen Schüler bat, ihm das Mobiltelefon auszuhändigen. Der Schüler sträubte sich und verpasste seinem Lehrer einen Faustschlag und zuzügliche Tritte, als dieser am Boden lag.  Hierbei handelte es sich, dem Artikel zufolge, um keinen Einzelfall. In den letzten zwei Jahren sind in Flandern 112 Lehrpersonen Opfer derartiger Aggressionen, sei es von Schülern, ihren Eltern oder anderen Familienmitgliedern, geworden. Dabei handelt es sich bei der Zahl 112 vermutlich um eine Unterschätzung, da lediglich jene körperlichen Verletzungen in die Statistik eingehen, die von einem Arzt untersucht und dadurch registriert worden sind.  Dem Artikel zufolge besteht darüber hinaus die Vermutung, dass diverse Fälle der Gewaltanwendung gegenüber Lehrpersonen nicht nach außen getragen und effektiv verschwiegen werden. Auch Gewalt zwischen Schülern ist Bestand des Schulalltags. Wie Sie wissen war zuletzt am 13. April 2016 ein Artikel im GrenzEcho, in welchem von einem Fall der körperlichen Auseinandersetzung zwischen zwei 16-Jährigen Schülern die Rede war.

Aufgrund unseres Bestrebens den Weg hin zu einer guten gesunden Schule vorantreiben  zu wollen und dabei keine Faktoren außer Acht zu lassen, möchte ich vor dem Hintergrund des soeben erläuterten Kontextes folgende Frage stellen:

 

Meine Frage nun also an Sie, werter Herr Minister Mollers:

 

  • Welche Fälle der Gewaltanwendung gegenüber Lehrpersonen sind in der Deutschsprachigen Gemeinschaft bekannt?

Den LIVE-Stream zur öffentlichen Kontrollsitzung am PDG gibt es auf pdg.be unter dem Link Ausschüsse/ Ausschuss III zum Nachschauen.

 

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Die Antwort des Ministers im Folgenden:

 

 

Informationen über Gewaltakte gegen Lehrpersonen erfahren wir in der Regel über zwei Kommunikationswege: entweder durch die Meldung eines Arbeitsunfalles oder durch den Schulverweis eines Schülers aufgrund von Gewalt gegen eine Lehrperson (entweder wird die Einspruchskammer bemüht oder aber der Fachbereich Pädagogik begleitet den Schüler auf der Suche nach einer neuen Schule).

Im aktuellen Schuljahr 2015-2016 ist uns deshalb offiziell nur ein Fall von einem tätlichen Angriff auf eine Lehrperson bekannt.

Im letzten Jahr hat es nach offiziellen Meldungen seitens der Schulen keinen tätlichen Angriff auf einen Lehrer gegeben.

 

Selbstverständlich ist Gewalt in gleich welcher Form zu verurteilen, ob sie sich gegen einen Lehrer oder gegen einen Mitschüler richtet, und die Schulen können nach eigenem Ermessen einem gewalttätigen Schüler eine Disziplinarmaßnahme auferlegen, die bis zum Schulverweis führen kann.

Außerdem sollte der Lehrer, der Opfer einer Gewalttat wurde, sowie alle Lehrpersonen, die Zeuge einer solchen Tat wurden, diese Tat bei der Polizei oder bei der Staatsanwaltschaft anzeigen.

Jeder Beamte, und damit auch jeder Lehrer, ist verpflichtet, ihm bekannte Straftaten anzuzeigen.

 

Abschließend möchte ich betonen, dass diese offiziell gemeldeten Fälle vermutlich nicht die ganze Wahrheit widerspiegeln.

Spricht man mit Lehrern und Schulleitungen, dann stellt man fest, dass es wohl hier und da kleinere oder größere Übergriffe gibt, die entweder nicht festgestellt werden oder aus unterschiedlichen Gründen keine weiteren Konsequenzen nach sich ziehen.

Deshalb kann ich Ihnen eigentlich keine verlässlichen Zahlen nennen.

So kommt es beispielsweise im Bereich der Förderschulen durchaus vor, dass Schüler mit einer Beeinträchtigung ihre Lehrer oder Begleitpersonen angreifen, z.B. kratzen, beißen oder schlagen.

Hier wird dann im Einzelfall nach Lösungen gesucht, oft in Kooperation mit externen Diensten wie Kaleido, dem KITZ oder der Dienststelle für Personen mit einer Behinderung.

Diese Fälle werden dem Ministerium jedoch nicht systematisch gemeldet, was auch nicht vorgeschrieben ist.