„Migranten auf dem Arbeitsmarkt der DG“

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Das liberale Institut für Erwachsenenbildung LIFE hat sich in mehreren Veranstaltungen mit dem Thema Migration auseinandergesetzt.
LIFE und sein Direktor, Ex-Minister Bernd Gentges, möchten durch diese Vortragsreihe zur Versachlichung der doch oft sehr emotional geführten Diskussion über dieses Thema beitragen. Dies setzt allerdings die Kenntnis von Gesetzeslage und Fakten dieser hochkomplexen Materie voraus.
Das jüngste LIFE –Kolloquium informierte über die Auswirkungen der Migration auf den Arbeitsmarkt in der DG. Hierfür konnte LIFE als Referenten Herrn Robert Nelles, Direktor des Arbeitsamtes der DG, gewinnen. Wie problematisch die Thematik ist, zeigt sich schon bei der Bestimmung des Begriffs: Migrant, Ausländer, Person ausländischer Herkunft, Asylbewerber…sind Bezeichnungen für unterschiedliche Gruppen, die differenziert betrachtet werden müssen. Herr Nelles brachte in seinem Referat klare Informationen und objektive Zahlen und situierte die Migration zunächst auf belgischer Ebene.
Ein mögliches Kriterium, den “Ausländer“ zu definieren, ist die Staatszugehörigkeit: Demnach gibt es in Belgien 2 Mio Menschen, die nicht von Geburt an die belgische Staatsangehörigkeit haben, gegenüber 8,9 Mio Belgiern.
Im Laufe der Geschichte, und besonders nach 1945, hat es diverse Einwanderungsphasen gegeben, die immer im Zusammenhang standen mit der wirtschaftlichen Lage in unserem Land. Je nach wirtschaftlicher Situation gestalteten sich auch die Regeln der Einwanderungspolitik und damit die akzeptierende bzw. ablehnende Haltung der Menschen.
Was nun die Beschäftigung von Nicht-EU-Bürgern in Belgien angeht, so ist unser Land im europäischen Vergleich das Schlusslicht. In mehreren Studien und Umfragen ist versucht worden, diese “Diskriminierung“ in Zahlen zu fassen: Herkunft (10%) und religiöse Zugehörigkeitszeichen (45%) beeinflussen die Kandidatenauswahl in belgischen Betrieben erheblich. Allerdings berichten 65% der Betriebe, die Ausländer beschäftigen, über positive Erfahrungen. Meinungsumfragen bei der belgischen Bevölkerung ergaben, dass 40% der Auffassung sind, die Ausländer hätten einen negativen Effekt auf den Arbeitsmarkt. Neben den wirtschaftlichen Ängsten führen auch falsche Informationen zu einer negativen Einstellung.
Ein interessantes Detail geht aus den Zahlen hervor: Wallonen sind nicht fremdenfreundlicher als Flamen.

Und in der DG?
Auch hier zeigen die Umfragen ein ähnliches Resultat: ca. 40% der Menschen (stärker im Norden der DG) denken, es gebe zu viele Ausländer bei uns.
Im Unterschied zu Belgien ist in der DG der Ausländeranteil allerdings größer:
Von den rund 76.000 Einwohnern liegt der Anteil Nicht-Belgier bei 20,2% (15.294), davon sind 17,8% (13.477) EU-Bürger (hauptsächlich Deutsche) und 2,4% (1.817) Nicht-EU Bürger.
Wie sieht es nun mit diesen rund 2700 Menschen auf dem Arbeitsmarkt der DG aus? (Schnitt 2012)
Aus der Arbeitslosenstatistik geht hervor, dass die Nicht-EU-Bürger 10,3% der Vollarbeitslosen und 5,9% der entschädigten Arbeitslosen ausmachen.
Die Stellenbesetzung von Nicht-EU-Bürgern beträgt allerdings nur 3,4% und ihr Anteil an den Beschäftigten liegt bei nur 1,5%.
34,4% der Empfänger von Integrationseinkommen sind Nicht-EU-Bürger. (Zum Vergleich: Wallonie 21,4%, Flandern:38,4%)
Diese Mitbürger haben also einen relativ bescheidenen Anteil an der Beschäftigung in der DG.
Mehrere Organisationen und Dienststellen in der DG sind bemüht, diese Situation durch verschiedene Maßnahmen wie Sprachkurse und Ausbildungen zu verbessern.
Legt man nicht nur das Kriterium der Staatsbürgerschaft zugrunde, sondern versucht, den Aspekt „Migrationshintergrund“ über Herkunftsland, Muttersprache, Arbeitsgenehmigung…zu erfassen, liegt die Anzahl bei ca.680 Personen, das bedeutet 25% aller Arbeitslosen. Das heißt aber auch, dass diese 680 Personen der DG als Arbeitskräftepotenzial zur Verfügung stehen.
Eine optimale Vermittlung wird allerdings erschwert durch mangelnde Sprachkenntnisse.
Herr Nelles ging auch auf die Probleme und Herausforderungen ein, die durch kulturelle und religiöse Differenzen entstehen und die die „Integration“ so schwierig gestalten.
Zum Ausklang seines Referates ließ der Direktor des Arbeitsamtes die Zahlen der demografischen Entwicklung sprechen: Im Jahr 2025 werden wir deutlich mehr Berufsaussteiger als -einsteiger haben, so dass die Beschäftigung nicht mehr abgedeckt ist. Können wir uns im Hinblick auf diese Prognose erlauben, auf das Arbeitskräftepotenzial von 680 Personen mit Migrationshintergrund zu verzichten? Sein Fazit: Wir haben, allein aus wirtschaftlicher Perspektive, ein Interesse daran, diese Menschen zu integrieren, und -bei allen Risiken- diese Herausforderung als Chance zu begreifen.